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Steuern Glückliche Erben

aus DER SPIEGEL 48/1996

Finanzminister Theo Waigel will die steuerlich ohnehin bevorteilten Land- und Forstwirte mit einem neuen Steuergeschenk beglücken: Landwirte können ihren Erben riesige Güter steuerfrei hinterlassen. Dieses Privileg ist im Jahressteuergesetz 1997 versteckt, das zur Zeit den Vermittlungsausschuß beschäftigt. Bei der Erbschaftsteuer wird land- und forstwirtschaftliches Vermögen mit dem sogenannten Ertragswert angerechnet. Für durchschnittliche Böden liegt dieser bei etwa 3000 Mark pro Hektar. Das ist deutlich weniger, als der Verkauf des Landes einbrächte.

Künftig erhalten Bauern zusätzlich einen Betriebsvermögens-Freibetrag von 500 000 Mark, der ihnen bisher nicht zustand. Allein dieser Freibetrag bewirkt, daß Land- und Forstwirte Güter bis zu 170 Hektar vom Fiskus unbehelligt vererben können. Hinzu kommen die nach Verwandtschaftsgrad unterschiedlichen persönlichen Freibeträge und Versorgungsfreibeträge. Der Teil des Erbvermögens, der den neuen Freibetrag überschreitet, wird um einen »Bewertungsabschlag« gekürzt. Der beträgt im Gesetzentwurf 25 Prozent, Waigel möchte sogar noch auf 50 Prozent kommen. Im günstigen Fall kann der Erbe dann ein Latifundium von 500 Hektar übernehmen, ohne vom Finanzamt behelligt zu werden. Bei einem Verkaufspreis von etwa 30 000 Mark pro Hektar durchschnittlichen Bauernlandes im Westen wäre ein solches Gut 15 Millionen Mark wert.

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