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Briefe

Gold für Reagan
aus DER SPIEGEL 34/1984

Gold für Reagan

(Nr. 32/1984, Titel: Medaillenflut beflügelt den US-Nationalismus) *

Wenn andere Teilnehmer bewußt und vorsätzlich als Nebendarsteller abqualifiziert werden und sich eine Nation nur durch »Stars and Stripes« als solche fühlen kann, die Olympischen Spiele zu einem nationalen, orgiastischen Ereignis abgleiten, muß es sich um eine psychopathologische Nation handeln. Daß die Kritik im eigenen Land kaum Beachtung findet, spricht nur für dieses Phänomen und die Tatsache, daß dies alles nichts mehr mit einem »Nachholbedarf an nationaler Erbauung« zu tun hat.

Gelsenkirchen JÜRGEN MYRTHE

Wie ist es denn bei uns in Deutschland, wenn ein Deutscher eine Goldmedaille gewinnt? Es wird 20mal im Fernsehen gezeigt, ein paarmal im Radio übertragen und in jeder Zeitung groß aufgemacht. Warum lassen Sie die Amerikaner nicht das gleiche tun, ohne sie zu kritisieren.

Büchenbach (Bayern) THOMAS ANBACH

Bleibt die Frage, wieviel US-Dollar nun wirklich gen Osten gerollt sind, um zu verhindern, daß die »Roten« aus Los Angeles Edelmetall entführen. Besondere Achtung verdient dabei Rumänien, das sich nicht bestechen ließ.

Böblingen (Bad.-Württ.) CLAUS PHILIPP

Gold bei den Olympischen Spielen ist nicht mehr Gold. Diese Feststellung hat nichts damit zu tun, daß die Medaillen der Sieger nicht vom feinsten Golde, sondern aus Double sind. Der olympische Sport ist der Verlierer der Spiele von Los Angeles. Die Gewinner heißen ABC und Ronald Reagan, dem die überwältigend zahlreichen Erfolge der US-Athleten und der schrille patriotische Aufschrei sicherlich ins Wahlkonzept passen.

Bremen DIETER GARLING

Für die Gäste des amerikanischen Wettkampfs mit internationaler Beteiligung bleibt ein bitterer Beigeschmack. Sie dienten ganz offensichtlich als bloße Staffage dieser Selbstbeweihräucherung großen Broadwaystiles. Gäbe es noch eine Platinmedaille zu vergeben, sie würde mit souveränem Vorsprung an die amerikanische Presse gehen - der Gewinnerin in den Disziplinen Überheblichkeit, Großschnäuzigkeit und schlechter Stil.

Tübingen STEPHAN SEEGER

Es wäre wünschenswert, daß der SPIEGEL, der Objektivität und einer neutralen Berichterstattung willen, seinen primitiv-tendenziösen, neurotischen, ungerechtfertigten und lächerlichen Anti-Reaganismus endlich aufgibt.

St. Moritz (Schweiz) ALEXANDER HAMMER

Den Deutschen fehlt genau das, was die Amerikaner so klar auszeichnet, das nationale Selbstvertrauen. Statt jetzt

krampfhaft und vergeblich nach fadenscheinigen Gründen für das jüngste bundesdeutsche Sportdebakel zu suchen, sollten wir darangehen, uns selbst wieder die nationale Selbstachtung zu gönnen, die jede Nation sich und anderen schuldig ist.

Nürnberg HORST SCHÄFER

Daß Kampfrichter parteiisch urteilen, daß die Medien, allen voran das Fernsehen, einseitig berichten - all das ist sicher unkorrekt, all das gehört verurteilt und angeprangert. Aber all das sind doch nun wirklich keine amerikanischen Erfindungen, all das gehört doch bei Sportveranstaltungen längst zur Routine.

Basel THOMAS KOHLER

In der Vergangenheit besaß eine olympische Goldmedaille zumindest noch so großen Wert, daß Muhammad Ali seine wohlverdiente hochsymbolisch in den Ohio River werfen konnte. Die von neochauvinistischen Schreihälsen erpeitschten Gold-Runner-Edelmetalle von Los Angeles hingegen werden sehr bald nur noch einige wenige häßliche Töne erzeugen, wenn sie die Abfallschächte der Wolkenkratzer hinunterpurzeln.

Koblenz NORBERT SCHAAF

BRIEFE

Echt vor Ort

(Nr. 28/1984, Titel: Deutsche ohne Deutsch - Eine Industrienation verlernt ihre Sprache) *

Lieber SPIEGEL, ich danke Dir! Höchste Zeit ist es, daß Du, vereint mit den Philologen Deutschlands, unsere Sprache und damit unsere Kultur rettest! Da gibt es doch tatsächlich Leute, die nicht einmal wissen, daß sie »Papplakat« und nicht »Papplakat« zu schreiben haben! Oder sie schreiben sogar »der Andere« anstatt »der andere«! Welch kultureller Niedergang!

Neckargemünd (Bad.-Württ.) KLAUS ROTH

Ich wäre ja schon froh, liebe SPIEGEL-Leute - stöhn! -, wenn wenigstens Sie den Unterschied zwischen Fernseher und Fernsehgerät begreifen würden. Ein Gerät, das nicht sehen kann, als Seher zu bezeichnen, »macht« doch nur für »Bild«-Leser einen Sinn. Seufz!

Stuttgart GÜNTER LINDENBERG

Seit einigen Monaten finde ich in verschiedenen Artikeln den Ausdruck »vor Ort« in einem Zusammenhang, in dem unsereiner »an Ort und Stelle« sagen würde. Am Ort ließe sich noch vertreten, aber wieso »vor«? Und da benutze ich die Gelegenheit, eine Reihe von Redensarten zu bemängeln: Da ist einmal »echt«, wo »wirklich« hingehörte (zum Beispiel ich bin echt froh) oder ein im Raum hängendes »Genau!« als Zustimmung zur Bemerkung eines Gesprächspartners. Auch über »es macht Sinn« bin ich schon manches Mal gestolpert; dabei haben wir in unserer reichen Sprache drei Ausdrücke, die eine solche Aussage nuancieren: »es hat Sinn«, »es ergibt Sinn« und »es ist sinnvoll« (mit den entsprechenden Negativsätzen).

Warum also »macht es Sinn«? Die Krone der neudeutschen Sprachverwirrung ist das Wortmonstrum »nichtsdestotrotz«, das in den zwanziger Jahren (ich glaube, von Tucholsky) spaßeshalber aus nichtsdestoweniger und trotzdem zusammengesetzt wurde und nun in ernsten Artikeln ernsthaft verwendet wird. Hier wäre »dennoch« eine gute deutsche Lösung. Vielleicht bin ich mit meinen 83 Jahren etwas altmodisch.

Steinbach (Österreich) DR. E. KOSELEFF

Für wichtig halte ich eine baldige »Gegen(über)darstellung« im SPIEGEL: Ächz+Würg-Sprache als kulturrevolutionäre Waffe. Im Bauch (wenn schon nicht im Kopf) läßt sich empfinden, daß die Leute mit Ächzen und Würgen direkt angehen gegen das Herrschaftsinstrument Sprache mit seiner administrativ geregelten (gemaßregelten) Grammatik nebst entsprechendem Hoch-Wortschatz. Die haben einfach die Schnauze voll mit Wilhelmszopf, mal grobgerastert.

Puchheim (Bayern) MICHAEL ANDRIES

BRIEFE

Mafia-Methoden

(Nr. 31/1984, Titel: Offene Grenzen - freie Fahrt für Kriminelle?) *

Die Personenkontrollen an den Grenzen zu unseren westlichen Nachbarländern sind seit langem nicht mehr unzumutbar lästig. Sie haben jedoch eine vorbeugende Wirkung, die nicht unterschätzt werden darf. Ihre Abschaffung würde manche Figuren, die wir besser kontrollieren sollten, dazu einladen, hier ohne Risiko einzudringen und zu unserem Schaden tätig zu werden. Wir brauchen zum Beispiel keine Zunahme von Rauschgifteinfuhren und Mafia-Methoden.

Gronau (Nrdrh.-Westf.) GERHARD BAUMANN

Gut, daß der SPIEGEL endlich einmal das Thema »Grenzen« in der EG aufgegriffen hat. Doch niemand sollte sich

schwarzen Sand in die Augen streuen lassen: Der Adenauerenkel Kohl bietet keineswegs mit dem Abbau der Personenkontrollen an den EG-Binnengrenzen freundliche Gefälligkeiten für Wahlvolk, Eurounionisten oder Abendland. Er erfüllt endlich den durch die EWG-Verträge von 1958 (!) bestehenden Rechtsanspruch für alle Bürger innerhalb der Europäischen Gemeinschaft, und der ist notfalls einklagbar.

Bochum DR. DIETER ROGALLA Sprecher für den Abbau der Grenzkontrollen in der Sozialistischen Fraktion des Europäischen Parlaments

Offene Grenzen - Prima! Endlich blüht und gedeiht der Schmuggel, und die Giftfässer rollen.

St. Ingbert (Saarland) EDITH HARTZ

Europa wird für seine Bürger erst glaubwürdig und anschaulich, wenn es »grenzenlos« wird.

Freiburg EGON BREMREINER

Ihre Titelgeschichte muß den Widerspruch des Europa-Politikers und von Millionen europäischer Bürger herausfordern. Vor allem das Titelbild mit dem Text »Offene Grenzen - freie Fahrt für Kriminelle?« suggeriert dem Betrachter, daß die Öffnung der Binnengrenzen in Europa ihm nunmehr eine ungeahnte Flutwelle von Kriminalität bescheren wird.

In der Titelgeschichte selbst lassen Sie fast ausschließlich Negativ-Stimmen von Bürokraten und Beamten laut werden, die seit eh und je gegen Europa und für nationale Grenzen eintreten. Auch kurzsichtige Bundespolitiker müssen hier eingereiht werden.

Wir werden auf diese Weise nie europäische Binnengrenzen überwinden. Worauf es ankommt, ist, an den Außengrenzen die Kontrollen zu verstärken und die Harmonisierung der Verbrechensbekämpfung bei den zuständigen europäischen Behörden so zu verstärken, daß sie der Zusammenarbeit der Polizei innerhalb der deutschen Bundesländer entspricht. Zusammengefaßt: Kann die Redaktion des SPIEGEL sich endlich dazu aufraffen, positiv über europäische Einigungspolitik zu berichten?

Hamburg ERIK BLUMENFELD Mitglied der Fraktion der Europäischen Volkspartei im Europaparlament

BRIEFE

Nicht drin

(Nr. 31/1984, Personalien) *

Obwohl ich kein Anhänger von Franz Josef Strauß bin, hat mich die Veröffentlichung des Photos vom weinenden CSU-Vorsitzenden unangenehm berührt. Ein Politiker, der in der Öffentlichkeit steht, hat wie jeder andere Mensch ein Recht darauf, daß seine Privatsphäre respektiert wird.

Köln HANS SCHLÜPMANN

Unserer Meinung nach haben Sie mit der Bildwahl zu Straußens Personalie einen geschmacklichen Fehlgriff getan. Beim nächsten Mal bitte wieder mehr »feeling« ...

Berlin MONIKA UND MICHAEL JOACHIM

Das Photo zu machen war wohl beruflicher Reflex. Sosehr ich Ihre Abneigung gegen Franz Josef Strauß verstehe und teile - das ist nicht drin!

Maintal ERICH NEUHAUSER

BRIEFE

Lieber Champagner

(Nr. 33/1984, Presse: Wie die »Stern«-Manager auf den »Fund« der »Hitler-Tagebücher« reagierten) *

Einem »Lustlügner« (Adolf Augstein über Manfred Bissinger) muß man einiges nachsehen. Zuerst druckt er in »Konkret« Erich Kubys schlecht recherchierten Schnellschuß über die Tagebuch-Affäre ab. Nun rächt Bissinger sich am »Stern«, den es seinerzeit eine halbe Million kostete, den forschen, aber nicht sehr genauen Jungen loszuwerden.

Allen »Stern«-Redakteuren und Verlagsleuten, mit denen er Tonbandinterviews machte, versprach er Abschriften seiner Bänder. Das ist beim SPIEGEL wie beim »Stern« gute Sitte, damit nachher nicht in falschen Zusammenhängen zitiert wird. Bissinger hat diese Zusage nicht eingehalten. Und auch der SPIEGEL hielt sich nicht an den Grundsatz »audiatur et altera pars«.

So häufen sich die Fehler. Natürlich haben die renommierten Schriftsachverständigen nicht »Fälschungen mit Fälschungen verglichen«. Alle hatten unstrittig echte Vergleichsdokumente aus dem Bundesarchiv, als sie die Echtheit der Tagebücher nicht mehr in Zweifel zogen. Natürlich weiß Bissinger, daß der sogenannte »redaktionsinterne Untersuchungsbericht« des »Stern« in einer psychologisch heute nicht mehr nachzuvollziehenden Situation entstanden ist. Das Entsetzen und die Betroffenheit über die Fälschung hatten die Redaktion einfach überwältigt.

Wer sagt Ihnen, daß ich lieber Bier als »Roederer Cristal« trinke? Umgekehrt wird ein Glas daraus! Und als ich Heidemanns Schiff sah - weil er von mir Rat für eine neue Maschine wünschte - und über die Göring-Uniform lachte, während mir die Photosammlung über die Geschichte der Carin II als ein Stück sauberer Recherche imponierte -, da mußten noch anderthalb Jahre vergehen, ehe ich zum ersten Mal von »Hitler-Tagebüchern« hörte. Das eine hat mit dem anderen also nichts zu tun. Heidemann war tatsächlich ein erstklassiger

Rechercheur - da bin ich sogar mit Erich Kuby einig.

Der Prozeß wird zeigen, daß es nicht nur Redaktionstrottel und geldgierige Verlagsmanager waren, die sich täuschen ließen. Mit dem Präsidenten des Bundesarchivs, der noch drei Tage vor dem Knall gegenüber der Nachrichtenagentur Reuter betonte, es spräche »nichts gegen die Echtheit der Dokumente«, mit Historikern vom Range Jäckels und Trevor-Ropers, mit »Newsweek«, »Sunday Times« und »Paris Match« etc. war der »Stern« in gar keiner so schlechten Gesellschaft.

Wann war der SPIEGEL denn im Rathaus und ist klüger herausgekommen? Oder hat ihn nur ein gütiges Schicksal am Rathaus vorbeigehen lassen? Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt. Habt Ihr Euch nie geirrt, verehrte Kollegen?

Hamburg HENRI NANNEN

»Lustlügner« Henri Bissinger, dieser »forsche, aber nicht sehr genaue Junge«, war zwischen 1967 und 1977 der Liebling und Kronensohn des minder forschen, aber auch nicht sehr genauen Nannen. Und was die Irrtümer anlangt: Es kommt denn doch darauf an, in welches Rathaus man sich verirrt, in das von Hamburgs Klose, oder in unseres Führers Kanzlei.

-Red.

BRIEFE

Reiche Väter - arme Söhne

(Nr. 32/1984, Umwelt: Bodenzerstörung - die übersehene Katastrophe) *

Die Bodenkalkung war schon bei den Römern vor 2000 Jahren üblich und gilt auch in der deutschen Landwirtschaft seit 150 Jahren als notwendige Maßnahme, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und zu steigern. Das Sprichwort von den »reichen Vätern und armen Söhnen«, die die Kalkanwendung zur Folge haben soll, stammt aus jener Zeit im vorigen Jahrhundert, als die regelmäßige Mineraldüngung noch nicht eingeführt war. Mit der Kalkung wurden damals die

letzten Reserven an Bodenhumus mobilisiert und der in ihm enthaltene Stickstoff für die Pflanzen verfügbar gemacht. Heute, wo so viel gedüngt wird, wie die Pflanzen dem Boden entziehen, hat diese Weisheit sich genau ins Gegenteil verkehrt: Wer nicht regelmäßig kalkt, vernachlässigt seinen Ackerboden und erreicht, daß das Bodenleben zurückgeht. Der Humusgehalt unserer heutigen Ackerböden ist nachweislich deutlich höher als noch vor Jahrzehnten. Der damit verbesserte »Garezustand« des Bodens ist eine der wichtigsten Ursachen für die gestiegenen Erträge.

Kirchlengern (Nordrh.-Westf.) DR. REYNER V. BORRIES Diplomlandwirt

Wo bleibt die Empörung der Bevölkerung angesichts der Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen? Bei unseren Info-Veranstaltungen in der Fußgängerzone zum Thema Umweltzerstörung bekommen wir immer wieder Stimmen zu hören wie »Ihr gehört wohl in die Klapsmühle« oder »Für so was haben doch nur Studenten oder Arbeitslose Zeit«.

Frankfurt JOACHIM RITTER Dipl.-Ökonom

Zu diesem Bericht kann man Ihnen gratulieren.

Nienburg (Nieders.) HEINZ-DIETER ROHLFS

Übelste Profitgier und ökonomischer »Wachstums«-Wahn, beide jahrzehntelang bedenkenlos gemästet, zeitigen nun eine Umweltkatastrophe nach der anderen. Wollen wir überleben, muß den kapitalistischen Götzen Profit und »Wachstum«, das ein Krebswachstum ist, der Garaus gemacht werden. Geschieht dies nicht, kann's um Ackerkrume, Pflanzen, Tiere und Menschen bald geschehen sein.

Leutkirch HANS WITTEK

Die Landwirtschaft wird von der Forschung dort im Stich gelassen, wo es um die bodenlebenfördernde, umweltfreundlichere Düngung geht. Hierzu wäre eine Verbesserung - Veredelung - der hofeigenen natürlichen Dünger notwendig, um den Zukauf von Kunstdünger auf das unerläßliche Maß zu reduzieren. Nur ein Beispiel von vielen möglichen: Gülle (zähflüssiges Kot-Harn-Gemisch). Zwischen 30 und 60 Prozent des in der Gülle vorhandenen Stickstoffs geht an die Luft und ins Grundwasser verloren, weil dieser nicht organisch gebunden ist. Wäre man heute schon in der Lage, den gesamten Stickstoff organisch zu binden, so wäre der Umwelt in vielerlei Hinsicht gedient: Weniger Nitrat im Grundwasser - weniger Gestankbelästigung - erheblich geringerer Kunstdüngereinsatz - gesünderes Bodenleben - gesündere Böden und mehr Wasserspeicherfähigkeit - gesündere Pflanzen - weniger Schädlinge - weniger Unkraut - weniger Spritzmittel - gesündere Nahrung - gesündere Menschen.

Neureichenau (Bayern) ALBERT ASCHER

Gießt mehr Beton - kocht mehr Asphalt - frönt der Gewalt. Haut alle schönen Reste klein, was noch erhaben, gleich in Fetzen. Leuchtet auch der Sinn nicht ein, das Elend wird es schätzen.

Oberwesel (Rhld.-Pf.) GÜNTER SCHLAUTMANN

BRIEFE

Hexen-Kalkül

(Nr. 31/1984, Feminismus: Die Revolte der katholischen Frauen gegen die Kirche) *

Man mag von der Haltung des Papstes zur Frauenfrage in der Kirche halten, was man will, eines tut der Papst bestimmt nicht. Er verehrt zwar Maria, aber seine betonte Marienverehrung hat nichts zu tun mit »reichlicher Anbetung der reinen Jungfrau Maria«, wie man auf Seite 106 lesen kann. Zudem gibt es in der katholischen Kirche keine »Mönchinnen«, sondern nur Ordensschwestern oder »Nonnen«.

Oberriet (Schweiz) P. DR. ERNST W. ROETHELI

Die »Schlangenbrut«, eine feministisch religiöse Zeitschrift für Frauen, wird gestaltet und herausgegeben von sechs Frauen, die gleichberechtigt und ohne hierarchische Strukturen arbeiten; eine Chefredakteurin gibt es nicht und würde unserem Konzept widersprechen.

Berlin RENATE RIEGER

In Ihrem ansonsten ausgezeichneten Report über die Rebellion der katholischen Frauen gegen ihre Kirche sprechen Sie von der Hexenverfolgung in einer Weise, die der tatsächlichen Brisanz dieses historischen, bis in die Gegenwart hineinstrahlenden (vergleiche die jüngste Abtreibungsdiskussion) Ereignisses in keiner Weise gerecht wird, es vielmehr verharmlost. Wenn Sie hier lediglich von einem »christliche(n) Wahnsinn« reden, »in dem sich Frauenhaß, Teufelsglaube und Angst vor neuer Heilkunst mischt«, dann verschleiern Sie ein machtpolitisches, das heißt zu Beginn der Neuzeit bevölkerungspolitisches Kalkül, das bei den katholischen - später auch protestantischen - Machthabern seinerzeit wesentlich unverhüllter in ihre Hexenkampagnen Eingang gefunden hatte.

Bremen PROF. DR. DR. G. HEINSOHN PROF. DR. O. STEIGER Universität Bremen

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