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Atomabfall Griefahns heikler Vorschlag

aus DER SPIEGEL 31/1994

Niedersachsens Umweltministerin Monika Griefahn, eine überzeugte Kernkraft-Gegnerin, verblüffte Gesprächspartner aus der Atomindustrie mit einem Kompromißangebot. Bei einem Treffen Mitte Juli ging es um die Lagerung von abgebrannten Brennelementen aus dem Atommeiler Philippsburg im niedersächsischen Gorleben. Den geplanten Transport in speziellen Stahlbehältern ("Castor") lehnt die SPD-Landesregierung ab. Umweltschützer hatten heftig dagegen protestiert und das Gelände vor der Atomanlage besetzt. Wilfried Steuer, Vorstandsvorsitzender der Energie-Versorgung Schwaben, und Gerhard Goll, Sprecher der Badenwerke, fragten deshalb bei der Ministerin an, ob es nicht ähnlich wie im westfälischen Zwischenlager Ahaus Verständigungsmöglichkeiten gebe. Griefahn machte einen heiklen Vorschlag. Wenn die Atommanager darauf verzichten könnten, ihren strahlenden Müll in Niedersachsen abzuladen, werde sie im Gegenzug akzeptieren, daß hochaktiver Atomabfall in Gorleben abgelagert wird. Er kommt aus Frankreich und ist das strahlende Überbleibsel der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente in der Nuklearfabrik La Hague. Monika Griefahn war sogar bereit, die Abrede schriftlich zu fixieren. Die Atommanager akzeptierten dennoch nicht. Auch eine Ministerin, so ihre Überlegung, garantiere ihnen nicht, daß die Atomgegner die strahlenden Transporte passieren lassen.

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