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Fotografie Grimmige Güte

aus DER SPIEGEL 17/1995

Sie heißt Mosa, und so klar und zugleich geheimnisvoll, wie ihr Name klingt, sieht das Mädchen vom Stamme der Mohave den Betrachter auch an. 1903 hat der amerikanische Fotograf Edward S. Curtis die Squaw aufgenommen - eine von mehr als 2200 Fotogravuren, die der Forscher Anfang des Jahrhunderts zu einer einzigartigen anthropologischen Dokumentation über 80 Indianerstämme zusammenstellte. Der Münchner Knesebeck Verlag präsentiert nun eine Auswahl von Curtis-Fotos. Ein besonderes Reproduktionsverfahren läßt die Aufnahmen fast so authentisch aussehen wie Originale. Der deutschen Ausgabe liegt eine Übersetzung der Begleittexte bei ("Native Nations«. Knesebeck Verlag, München; 160 Seiten; 148 Mark). 30 Jahre brauchte Curtis für seine Arbeit, sein Kapital ging drauf. Er büßte seine Gesundheit ein, und die Familie verließ den besessenen Visionär. Nichts hielt ihn ab, Leben und Bräuche der Indianer festzuhalten - die grimmige Güte im Gesicht eines Hopi-Mannes; der unberührte Palmenhain dort, wo heute die Reichen-Oase Palm-Springs liegt; die Studien von Indianermüttern mit Kindern. Denn, so sah Curtis voraus: Was er nicht bewahrte, würde »für immer verlorengehen«.

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