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THYSSEN Großaktionär Wissenschaft

aus DER SPIEGEL 31/1960

Kühl blinzelte des Kanzlers lieber Freund, Dr. h. c. Robert Pferdmenges, am Montag letzter Woche in die Kameras des Deutschen Fernsehens. Ein Ereignis, das »für die deutsche Öffentlichkeit sicherlich von besonderem Interesse ist und wohl allgemeiner Zustimmung sicher sein darf«, rechtfertigte den ersten Fernseh-Auftritt des verschlossenen Bankiers:

Die beiden Erbinnen eines der größten deutschen Industrievermögen, Amélie Thyssen - Witwe des 1951 verstorbenen Fritz Thyssen - und ihre Tochter Anita Gräfin de Zichy-Thyssen, brachten einen Teil ihres Vermögens in eine Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Forschung ein.

Die Erben Fritz Thyssens, so verkündete Pferdmenges, haben sich entschlossen, ein Aktienpaket von nominell 100 Millionen Mark einer »Fritz Thyssen Stiftung« zu vermachen. Hiervon spenden Frau Amélie für 75 Millionen Mark Aktien aus dem Thyssen -Besitz Phoenix-Rheinrohr AG und die Tochter Anita für 25 Millionen Mark Aktien der August Thyssen-Hütte AG (ATH). Nach den derzeitigen Börsenkursen verkörpert das Aktienpaket einen Wert von 360 Millionen Mark und wirft jährlich eine Dividende von mindestens zehn Millionen Mark ab. Fritz Thyssens Witwe Amélie verzichtet damit auf 45 Prozent ihres Aktienbesitzes bei Phoenix-Rheinrohr, ihre Tochter Anita auf rund 15 Prozent ihres ATH-Pakets.

Der Kanzler-Intimus verhehlte seinen Zuhörern auch nicht, daß das karitative Stiftungswerk der beiden Thyssen -Damen der wohlwollenden Billigung höchster Staatsstellen sicher sein kann. Pferdmenges bedeutungsvoll: »Es ist sicher keine Indiskretion, wenn ich Ihnen als einer der ältesten Freunde der Familie Thyssen verrate, daß der Beschluß von Frau Thyssen und ihrer Tochter, diese Stiftung zu gründen, sehr wesentlich von dem Herrn Bundeskanzler gefördert worden ist.«

Die Beteiligung des Kanzlers am Zustandekommen der Stiftung offenbart - zumal die Beträge keinem partei politischen Zweck zugeführt werden sollen - die überraschende Tatsache, daß Westdeutschlands Regierungschef in sozialpolitischen Fragen einer feineren Nuancierung durchaus zugänglich ist.

Adenauers Motive deutete der Düsseldorfer »Industriekurier« so: »Die Tatsache, daß Bundeskanzler Adenauer die Entscheidung der beiden Thyssen -Erben maßgeblich gefördert haben soll, legt - obwohl auch Adenauer katholisch getauft ist - die Vermutung nahe, daß in der Bonner Gesellschaftspolitik diese Schenkung zu einer Art Ablaßpfennig für reuige Unternehmer weiter entwickelt werden soll, die im Einverständnis mit einem vulgären Vorurteil eingesehen haben, daß es im Grunde doch recht unsozial ist, reich zu sein.«

Ein solches vulgäres Vorurteil war dem Konzerngründer und katholischen Puritaner August Thyssen (1842 bis 1926) noch durchaus fremd gewesen. Als Sohn eines kinderreichen Betriebsleiters stampfte August Thyssen nach 1867 binnen dreier Jahrzehnte ein riesiges Industrie-Imperium aus dem Boden. Er war der Miterfinder des sogenannten Trusts, in dem verschiedene Produktionsstufen vom Rohstoff bis zum Fertigerzeugnis in einer Hand vereinigt sind. Thyssen, dessen Vermögen bereits im Jahre 1910 mit 55 Millionen Goldmark beziffert wurde, ging als »Trustmaker« in die moderne Industriegeschichte ein.

Persönlich bescheiden und von einem Geiz, der im Alter geradezu abenteuerliche Formen annahm, lehnte er nicht nur jede Erhebung in den Adelsstand ab, sondern unterband auch alle Versuche seiner lebenslustigen Frau Hedwig, in der Geld-Society der Gründerjahre zu glänzen. Zu Stiftungen hatte der Firmengründer August eine gänzlich andersgeartete Beziehung als seine Nachfahren Amélie und Anita. So schrieb der Thyssen-Chronist Josef Winschuh: »Er geht schlicht gekleidet und trägt ein altmodisches Werkmeisterplaströnchen mit breitem Umlegekragen... Woher er sein Geld bekam, war ihm gleichgültig, er pumpte alle möglichen Stiftungen und Vermögensverwaltungen an und geriet - zumal er Katholik war - auch in den Geruch, sich mit dem Peterspfennig zu finanzieren.«

Seine Kinder Fritz, Heinrich, August und Hedwig wiesen nicht die holzschnittartigen Wesenszüge ihres Vaters auf. Der älteste Sohn Fritz begeisterte sich von früher Jugend an für die sozialpolitischen Vorstellungen der päpstlichen Enzykliken, zum Ärger seines Vaters, der für höhere Bildung die Verachtung des Pioniers empfand. Noch ärger schlugen die anderen Geschwister aus der Art. Sie ließen kein Mittel unversucht, den Neureichtum mit einem Adelsprädikat zu verbrämen und zogen sich deshalb schnell die Ungnade ihres Vaters zu.

Tochter Hedwig, mit Geld abgefunden, heiratete nacheinander zwei Barone und lebt heute als Baronin von Berg-Thyssen am Bodensee. Bei der Währungsreform verlor sie ihr Vermögen und prozessiert seither mit ihrer Schwägerin Amélie Thyssen, der Frau ihres Bruders Fritz, erbittert um harte D-Mark-Millionen.

Sohn August, einst Vaters Lieblingskind, schaffte es zwar, Leutnant in dem Leib-Garde-Husaren-Regiment zu Potsdam zu werden, was bis dahin keinem bürgerlichen Offiziersanwärter gelungen war. Aber er konnte seinen Vater nicht zur Stiftung eines Fideikommisses bewegen, der Voraussetzung für die Nobilitierung Bürgerlicher war. Aus Trotz verlobte sich Jung-August, dessen Name in Berliner Casinos ob seines Wechsels einen guten Klang hatte, mit einer stadtbekannten Dame vom Brettl.

Weitere Extratouren verdarben das Verhältnis zu seinem Vater vollends. Mit seinem ererbten Vermögen unterstützte August junior streikende Arbeiter der väterlichen August Thyssen -Hütte. Noch vor dem Ersten Weltkrieg geriet er mit elf Millionen Mark Schulden in Konkurs. Sein Vater strengte daraufhin gegen ihn ein Entmündigungsverfahren an, das den Zeitungen Schlagzeilen und den Ruhrsalons Gezischel lieferte. Schließlich verschwand August der Jüngere in den Wirren des Krieges spurlos.

Auch bei Sohn Heinrich war ein Hang zum blauen Blut unverkennbar. Er heiratete die ungarische Baroneß Bornemisza und ließ sich ungeniert von seinem Schwiegervater adoptieren. Als Baron Thyssen-Bornemisza - er hatte von seinem Vater einen aus Berg-, Walz-, Gas- und Wasserwerken sowie anderen Fabriken bestehenden Teil des Trusts geerbt - betätigte Heinrich sich als Kunstmäzen und trug in seiner Villa Favorita am Luganer See eine weltbekannte Gemäldesammlung zusammen. Sein Besitz wird heute von seinem Sohn Hans Heinrich - genannt »Baron Heini« - verwaltet, der es in der internationalen Lebewelt zu verklärtem Ruhm gebracht hat.

August Thyssens ältester Sohn Fritz ehelichte die heutige Stifterin Amélie, geborene zur Helle, und war neben seinein Vater in der Leitung des Montankonzerns, der August Thyssen-Hütte, tätig, die nach dem Tod des Industriepioniers im Jahre 1926 in sein Eigentum überging. Nebenher griff er dem aufsteigenden Hitler unter die Arme, finanzierte das »Braune Haus« in München und führte den Landschaftsmaler aus Braunau in die exklusiven Zirkel des Ruhrreviers ein.

Bei der Machtübernahme von Hitler hochgeehrt, überwarf er sich bald mit ihm, flüchtete nach Frankreich, wurde von der großdeutschen Wehrmacht festgesetzt und in ein Konzentrationslager eingeliefert. Im Jahre 1945 befreiten ihn die Alliierten, stellten ihn aber sogleich wegen der alten Nazigeschichten vor eine Entnazifizierungskammer.

Wenige Jahre vor der Wirtschaftskrise hatte Fritz Thyssen seinen Konzern in die Vereinigten Stahlwerke AG (Stahlverein) eingebracht, in dem sich Westdeutschlands größte Stahlerzeuger und Stahlverarbeiter zusammengeschlossen hatten. Die Alliierten zerschlugen den Stahltrust, und Fritz hinterließ, als er 1951 verbittert starb, seiner Frau Amélie und seiner Tochter Anita je 10,38 Prozent des Aktienkapitals der Vereinigten Stahlwerke mit einem Gesamtwert von 95 Millionen Mark. Die beiden Damen mieden die Ruhr: Mutter Amélie siedelte sich in Lugano an, ihre Tochter emigrierte nach Buenos Aires.

Um ein Wiederaufleben der Stahlvereins-Dynastie zu verhindern, ordneten die alliierten Trust-Gegner an, daß jede der beiden Thyssen-Frauen in Zukunft nur noch je ein Werk besitzen durfte, das jeweils als Betriebsabteilung aus dem Stahlverein herausoperiert worden war. Thyssen-Gattin Amélie übernahm die Rheinischen Röhrenwerke AG in Mülheim (Ruhr), ihre Tochter Anita die Deutschen Edelstahlwerke AG in Krefeld. Am zerbombten und demontierten Stammwerk August Thyssen-Hütte - in Duisburg hatten sie kein Interesse.

Da mehr entflochtene Werke als übernehmende Aktionärsfamilien vorhanden waren, erhielten die Thyssens noch je ein weiteres Unternehmen als sogenannte transitorische Beteiligung, die sie nach einiger Zeit verkaufen sollten. Amélie wurde das Hüttenwerk Ruhrort unterstellt, Tochter Anita die Niederrheinische Hütte, beide im Duisburger Raum gelegen.

Während Mutter und Tochter sich in die Abgeschiedenheit ihrer Villen zurückgezogen hatten, machten sich in Düsseldorf und Duisburg zwei der unbekümmertsten Nachkriegsmanager anheischig, den geborstenen Konzern wieder zusammenzuflicken: der Gelsenkirchener Handelsvertreter-Sohn Fritz -Aurel Goergen und Bergassessor Dr. -Ing. E.h. Hans-Günther Sohl.

Goergen begann als Generaldirektor des Hüttenwerks Ruhrort für Amélie Thyssen tätig zu werden. Er umging die Verkaufsauflage für das Hüttenwerk Ruhrort, indem er es mit den Rheinischen Röhrenwerken zur Phoenix -Rheinrohr AG fusionierte, in der Amélie mit etwa 52 Prozent des Kapitals herrscht.

Ähnlich verfuhr die Gräfin de Zichy. Sie dachte ebenfalls nicht daran, die transitorische Beteiligung an der Niederrheinischen Hütte zu versilbern, vielmehr kaufte sich Anita Gräfin de Zichy zielsicher in das von Bergassessor Sohl mit öffentlichen Mitteln wiederaufgebaute Stammwerk der Thyssens, die ATH, ein. Anschließend schleuste sie, vom listenreichen Sohl unterstützt, ihren Besitz, Deutsche Edelstahlwerke und die Niederrheinische Hütte, als Tochterfirmen in die Thyssen-Hütte ein und errang mit ihrer Mutter, die ebenfalls zehn Prozent der Thyssen-Aktien gesammelt hatte, die Majorität, in der ATH.

Bei diesem Stand der Rekonzentration lag es nahe, die beiden Thyssen -Unternehmen Phoenix-Rheinrohr und August-Thyssen-Hütte zu vereinen, da der gesamte Komplex letztlich doch in die Hände der beiden Anita-Söhne Federico, 23, und Claudio, 18, übergehen würde. Die Hohe Behörde der Montanunion jedoch, die bei derartigen Projekten ihre Zustimmung erteilen muß, lehnte, unterstützt von der Industriegewerkschaft Metall, nach anderthalbjähriger Verhandlung Ende April dieses Jahres den Zusammenschluß ab, weil angeblich der vereinigte Thyssenkonzern zu einer gefährlichen Machtballung auf dem europäischen Stahlmarkt führen müsse.

Bei dieser Konstellation reifte jener Plan heran, aus dem Vermögen der beiden Thyssen-Erbinnen 100 Millionen Mark für eine Fritz-Thyssen-Stiftung abzuzweigen und damit der von Bund und Ländern bemerkenswert vernachlässigten Forschung neue Mittel zuzuführen. Das Projekt ist ebenso notwendig wie großzügig. Im vergangenen Jahr beliefen sich die für die Wissenschaften insgesamt abgezweigten Gelder auf 1,2 Prozent des Sozialprodukts, das sind nicht einmal drei Milliarden Mark. Die Sowjet-Union und die USA wenden für den gleichen Zweck jährlich etwa dreimal soviel auf, England und Frankreich leisten immerhin fast doppelt soviel wie die Bundesrepublik für die Wissenschaften.

Ein noch ungünstigeres Bild ergibt sich bei einem Vergleich jener Mittel, die von der Industrie für innerbetriebliche und für zweckfreie Forschung ausgegeben werden. Insgesamt führte die gewerbliche Wirtschaft im vergangenen Jahr etwa 1,26 Milliarden Mark an Forschungsinstitute und Universitäten ab. Davon waren jedoch 1,2 Milliarden Mark lediglich für die zweckgebundene Verbands- und Betriebsforschung bestimmt. Dagegen nahm sich der Betrag von 55 Millionen Mark, der - teilweise über den Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft - in die zweckfreie Grundlagenforschung floß, geradezu verschwindend aus.

Unverhältnismäßig höhere Erträge werfen die amerikanischen Privatstiftungen ab. Die Ford Foundation beispielsweise enthält ein Vermögen von etwa 13 Milliarden Mark. Der Fonds des Ölimperiums Rockefeller weist ein Vermögen von 1,4 Milliarden Mark aus, und die Stiftungskasse der Stahlmagnaten-Familie Carnegie hat ein Vermögen von mehr als 800 Millionen Mark zinsbringend für wissenschaftliche Zwecke angelegt.

Freilich hatte nicht allein die Schattenseite des Wirtschaftswunders die Thyssen-Damen zu ihrem Stiftungsbeschluß gedrängt. Bei aller von Fritz Thyssen überlieferten sentimentalen Zuneigung zu den Wissenschaften ist Altruismus nicht das ausschließliche Motiv für die Stiftung gewesen. Dem guten Zweck des 360-Millionen-Geschenks entspricht auch ein Nutzen, den die Spende in steuer- und firmenpolitischer Hinsicht für die Thyssens selbst erbringt.

So werden die zehn Millionen Mark Thyssen-Dividenden, die jährlich aus dem Stiftungsertrag der Wissenschaft zufließen, zum größeren Teil vom westdeutschen Staat und seinen Steuerzahlern in Form verlorener Steuererträge aufgebracht. Bislang nämlich mußten die Thyssens von diesem Betrag, den sie bisher als Dividende kassierten, jährlich 3,1 Millionen Mark Einkommen-, 3,6 Millionen Vermögen- und 0,3 Millionen Mark Kirchensteuer an den Fiskus entrichten. Als Nettoeinnahmen blieben ihnen mithin drei Millionen Mark, auf die sie nunmehr zugunsten von Wissenschaft und Forschung verzichten. Der Rest von sieben Millionen Mark dagegen geht dem Fiskus verloren, weil Stiftungen zu wissenschaftlichen Zwecken nicht besteuert werden.

Noch größer sind die Beträge an Erbschaftsteuern, die für den Staatssäckel künftig verloren sind. Bei einem Ableben der Stifterinnen - Amélie Thyssen ist 82 Jahre alt - müßten die nominell 100 Millionen Mark, die in die Stiftung eingebracht wurden, zum Kurswert von 360 Millionen Mark versteuert werden.

Würde beispielsweise Frau Amélie jene 75 Millionen Mark, die sie, Kurswert 265 Millionen Mark, in die Stiftung einbrachte, ihrer Tochter vermachen, wäre ein Erbschaftsteuersatz von 15 Prozent fällig, das sind rund 40 Millionen Mark.

Weitere 34 Millionen Mark - 15 Prozent des bereits einmal versteuerten Erbes - wären notwendig, wenn Anita Gräfin de Zichy den von ihrer Mutter ererbten Stiftungsanteil auf ihre Söhne weitervererben würde. Für den Fall schließlich, daß Amélie Thyssen ihre Enkel Federico und Claudio direkt als Erben einsetzen würde, müßten sogar 25 Prozent der Erbmasse, das sind 66 Millionen Mark, an den Fiskus abgeführt werden.

Diese Summen sind selbst für Thyssen-Verhältnisse so hoch, daß die Erben die Steuer nur durch einen Teilverkauf ihrer Aktienpakete aufbringen könnten. Dies wiederum hätte zum Ergebnis, daß die Majorität verloren ginge, Außenseiter sich in das Thyssen-Imperium einkaufen und den Einfluß der Familie nachhaltig schwächen würden.

Für den Preis von 360 Millionen Mark bleiben die Thyssen-Nachkommen trotz des verminderten Vermögens uneingeschränkt Herrscher im Hause. Die Spenderinnen haben der Fritz -Thyssen-Stiftung nämlich bislang nicht das Eigentum und mithin das Stimmrecht auf künftigen Hauptversammlungen übertragen. Der Wissenschaft wurde vorerst lediglich ein »Nießbrauch« an den Thyssen-Millionen eingeräumt, was besagt, daß die jeweils anfallenden Dividenden zu Forschungszwecken Verwendung finden, während das Eigentum an der Stiftung selbst vorerst bei den Erben verbleibt.

Unter einer Voraussetzung jedoch sind Amélie Thyssen und Anita de Zichy offenbar bereit, ihr Eigentum der Stiftung vollends zu übertragen, nämlich dann, wenn die Luxemburger Hohe Behörde doch noch ihre Einwilligung zu der von allen Thyssens herbeigesehnten Verschmelzung der Konzernrümpfe Phoenix-Rheinrohr und ATH erteilen sollte.

Tatsächlich können Generaldirektor Sohl und Phoenix-Aufsichtsratsvorsitzer Professor Ellscheid bei den zu erwartenden neuen Fusionsverhandlungen mit Luxemburg darauf hinweisen, daß die beiden Thyssen-Erbinnen durch die beabsichtigte Aktienübertragung bei beiden Unternehmen die einstige Mehrheit verlieren und daß dafür die deutsche Wissenschaft neuer Großaktionär des Konzerns wird.

Die Stifter-Damen haben nach der Übereignung zusammen nur noch etwa 40 Prozent des ATH-Kapitals. Bei dieser Sachlage dürfte es der Hohen Behörde schwerfallen, den Fusionsantrag eines Unternehmens, an dem gleichsam das ganze deutsche Volk beteiligt ist, wiederum abzulehnen. Die Stiftung ist mithin ein zusätzliches Trumpf-As im Skat um die Fusion.

Aber selbst nach einer Fusionsgenehmigung aus Luxemburg und anschließender Übertragung des Aktienvermögens auf die Stiftung würde die Familie Thyssen das Erbe ihrer Väter de facto allein beherrschen. Dafür, daß die Stiftung mit ihren nominell 100 Millionen Mark keine eigene Politik treibt, sorgt schon die personelle Besetzung der Stiftungs-Aufsichtsgremien, deren Kuratorium Thyssen-Freund Pferdmenges vorsteht und in dem die Thyssen-Vertrauten Sohl und Ellscheid Sitz und Stimme haben.

Thyssens Vorbild, so munkelte man in der vergangenen Woche an der Düsseldorfer Börse, werde alsbald Nachahmer finden. So hieß es, der Großmeister des westdeutschen Aktien -Pokers, Daimler-Milliardär Friedrich Flick, werde am Ende seiner Gründer -Laufbahn ebenfalls unter die Stifter gehen.

Stifterinnen Amélie Thyssen (l), Tochter Anita: 360 Millionen ...

Konzerngründer August Thyssen

... als Ablaßpfennig ...

Konzernerbe Fritz Thyssen

... für reuige Unternehmer?

Thyssen-Erbe Baron Heini, Ehefrau: Ruhm in der Lebewelt

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