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Briefe

Große Angst
aus DER SPIEGEL 42/1992

Große Angst

(Nr. 40/1992, SPIEGEL-Titel - Aids: Der große Leichtsinn)

Leute, so werdet doch vernünftig! *UNTERSCHRIFT: Bochum ANDREAS HEISEL

Anscheinend waren die Deutschen noch nie so verklemmt wie heute: Was in Himmelsherrgottsnamen ist denn schon dabei, so ein hauchdünnes Etwas mit dem drolligen Namen Verhüterli überzustreifen? *UNTERSCHRIFT: Berlin CARMEN M. HARTH

Gegen Aids gibt es nur ein Mittel, das Leben nach der katholischen Morallehre: keine körperliche Liebe vor der Ehe, absolute Treue in der Ehe. *UNTERSCHRIFT: Essen KURT ALBERTS

Kondome sind keine Aufforderung zu vorehelichem Sex, sondern eine Lebensversicherung. *UNTERSCHRIFT: Köln ERNST-WERNER KLEINE Pfarrer

Eines ist nach Ihrem Artikel klar: An Aids-Hypochondrie leiden weit mehr Menschen als an Aids. *UNTERSCHRIFT: Berlin ELMAR HILLEL

Ich bin 16 Jahre alt und habe sehr große Angst vor der Immunschwächekrankheit Aids. Ich finde, daß die Sexualaufklärung bei Jugendlichen viel intensiver durch die Medien gehandhabt werden sollte. Viele meiner Freundinnen hatten schon Geschlechtsverkehr ohne Kondom, auch wenn sie wußten, daß ihr Freund sie betrügt. Ich weiß das alles so genau, weil ich sie dann immer trösten muß. Aber vor Aids hatten die keine Angst. Nur die Moral hat nicht gestimmt. *UNTERSCHRIFT: Kaisersesch (Rhld.-Pf.) BARBARA E. SCHNITZLER

Ich kann Ihnen erfahrungsgemäß nur zustimmen: Der deutsche Mann benutzt »ihn« - wenn die Frau »ihn« dabei hat und rechtzeitig ins Spiel bringt. *UNTERSCHRIFT: Düsseldorf DIETLINDE POHLMANN

Ich habe im Juli dieses Jahres die Reife(?)prüfung abgelegt und bestanden. Den hohen Aufklärungsstand, den ich zum Thema Aids besitze, verdanke ich nur den hervorragenden Jugendgruppenleitern meines Pfadfinderverbandes. Die sind anscheinend die einzigen, die das Thema ernst nehmen. *UNTERSCHRIFT: Erlangen STEPHAN KUTSCHER

Ein Volk von Selbstmordkandidaten? Vielleicht würde man die durch Massenmedien überreizten Jugendlichen erreichen, wenn Richard Gere vor dem Geschlechtsakt mit der auserwählten Prostituierten einen Präser aufs Klavier klatscht oder die neueste Levi's Braut dem Prinzen, vor dem Abmarsch aus der Kfz-Werkstatt, einen in die Hand drückt. *UNTERSCHRIFT: Henstedt-Ulzburg (Schlesw.-Holst.) TIMO ROHWER

Mein Haupteinwand gegen den ersten Teil der Aids-Serie: Er gibt den Eindruck, daß die heutigen Deutschen sehr koitierfreudig wären. Das Gegenteil ist der Fall. Die Koitusfrequenz in der Bundesrepublik befindet sich seit rund einem Jahrzehnt in stetiger Schrumpfung. *UNTERSCHRIFT: Scharten (Österreich) PROF. DR. ERNEST BORNEMAN

Der Trieb, sexuelles Verlangen zu befriedigen, ist einfach größer, als die meisten Theoretiker annehmen, und Sexualität mit Kondom ist eindeutig viel weniger lusterzeugend als ohne. Viele Männer bekommen mit Kondom nicht einmal eine dauerhafte Erektion. *UNTERSCHRIFT: Kusel (Rhld.-Pf.) DR. MED. REINER GÖDTEL Gynäkologe und Psychotherapeut

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