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Briefe

Große Kraft
aus DER SPIEGEL 48/1973

Große Kraft

(Nr. 46/1973, SPIEGEL-Titel »Öl-Scheichs gegen Europa")

Ihr Titelbild ist gelungen: Die Araber haben das Gesicht verloren.

Göttingen K. SCHNABEL

Wie gut sind eigentlich die Geschichtskenntnisse Ihres Schreibers, daß er die nichtfeudalistischen Araber-Führer als »Sozialrevolutionäre« bezeichnet? Das sind doch ausnahmslos Nationalisten mit einigen sozialistischen Zügen. »Unduldsame Asketen«, das paßt auch ins Bild, das kennen wir: »Der Führer kennt nur seine Arbeit Sozialrevolutionäre, wie es sie z. B. im alten Rußland gab, sind das nicht. Der, einzige passende Begriff wäre. »National-Sozialisten«.

Frankfurt HANS GEORG VON FREYBERG

Wenn man Ihre Artikel über Arabien liest, scheint es, daß die Europäer, ich meine hier Regierungen und Journalisten und Reaktionäre, noch nichts gelernt haben. Sie leben immer noch mit Karl-May-Büchern, Scheichs, Sultanen, Wüste, Kalifen. Sie beschreiben das Gebiet Arabien wie die alten Kolonialisten und Generäle. Sie vergessen, oder besser übersehen die große Kraft und ignorieren die für Arabien sprechende Masse. Die arabische Masse, die nämlich für Sie und Ihre Scheichs und Könige und Generäle erschreckend erscheinen.

Hamburg ABDULLAH NADIM

Die führenden Persönlichkeiten der arabischen Länder haben eine Entscheidung getroffen, die sittlich gerechtfertigt und politisch vertretbar ist und die Europäer daran erinnern sollte, daß wir dem sehr preiswerten öl der Araber weitgehend unseren Wohlstand verdanken.

Hannover ERNST SOMMER

Die Araber haben sicher erkannt, wie wichtig ihr schwarzes Gold ist, um ihre seit 24 Jahren verlorenen Rechte wiederherzustellen. Sie haben endlich festgestellt, daß das Erdöl zum Frieden und dem Frieden in Nahost und in der ganzen Welt dienen kann, deshalb finde ich vollkommen richtig, die Erdölbeförderung zu den Staaten zu untersagen, die die Speerspitze und den Friedensverweigerer -- Israel -- unterstützen und die arabischen Rechte nicht anerkennen wollten, denn Freund meines Feindes ist mein Feind.

Würzburg HAYSAM FADEL

Auf dem Ruhebett »Rentabilität geht vor Sicherheit« hielten die Energie-Experten von vier Bundeskanzlern einen herrlichen Schlaf und ließen die Schließung vieler Kohlezechen zu. Wer aber nicht die Kohle ehrt -- und hydriert -, ist des Öles nicht wert. Hoffentlich wird es bald Super-Erpresser geben, die die Ölscheichs genau so ins Leere stoßen lassen, wie es in Kürze unsere Fluglotsen tun werden. Lenggries (Bayern)

FERDINAND WESTERNHAGEN

Die Bundesregierung sollte alle Art der Hilfen, Zuwendungen oder dergleichen an sämtliche arabische Staaten (nicht nur die Scheichtümer) ab sofort einstellen. Auszunehmen sind nur die Länder, die sich am Ölboykott nicht beteiligen, also etwa der Iran.

Werben (Nrdrh.-Westf.) HELMUT SCHNEEBECK

Öl, Wirtschaftskapazitäten, Handelsabkommen, das alles greift ja so ineinander, daß letzten Endes Westen und Osten den Erpressern geschlossen begegnen werden müssen.

Hamburg CHARLOTTE MARKUS

Mit großem Interesse las ich die allgemein verbreitete (gelenkte) Pressekampagne gegen die arabischen Staaten, deren Scheichs doch seit vielen Jahren ihre Ölgeschäfte gemeinsam mit Amerikanern (Aramco!) betreiben. Gewisse US-Kreise haben doch zweifellos an den Ölpreis-Erhöhungen ganz schön mitverdient ...

Frankfurt WILLI TREUSCH

Soweit es die Heizung betrifft, kann auch in den meisten Klimabereichen Deutschlands für südlich orientierte Räume ein Teil der Heizenergie, bei entsprechender Ausnützung der Sonnenenergie ohne Energietransformator, eingespart werden. In Breitengraden wie z. B. Italien oder die Südstaaten der USA ist eine vollständige Einsparung der Heizanlage auch für kältere Perioden damit möglich. Die aktuelle Energiekrise müßte das Interesse verantwortlicher Stellen u. a. auf die Auswertung dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse für das Bauwesen hinlenken, was bisher noch nicht so akut erschien.

München DR. HERBERT N. KNOLL

Und: Liest ein naiver Zeitgenosse, wie »westliche Firmen beim Aufbau« in Saudi-Arabien helfen, kommt leicht ein Gefühl von Rührung. Kein Wort aber über die Tatsache, daß eben dieses Land ein trojanisches Pferd amerikanischer Interessen ist und bleibt: Mit Saudi-Arabien und Kuweit bestehen Abkommen über US-Rüstungsmaterialien von mindestens 1 Milliarde Dollar.

Dortmund GERHARD HUTTENMULLER

Deutsche Politiker benehmen sich wirklich Araber-feindlich. Wirtschaftsminister Friderichs z. B. gefährdet durch seine Energie-Sparmaßnahmen und Energie-Sparappelle im höchsten Grade die Erpressungsversuche der Araber.

Zürich BERNHARD HAMMER

Schöner wäre es freilich gewesen, wenn das Abendland ohne derart unsanften Anstoß, einfach so aus purer Vernunft, zur Besinnung gekommen wäre. Aber man muß die Feste feiern wie sie fallen.

Chicago PETER K. JANSEN

Vielleicht hat dieser weltweite Schock insofern auch eine positive Seite, als dadurch jedermann bewußt wird, daß nichts unerschöpflich ist und wir haushälterisch mit allem umgehen müssen.

Eschringen (Saarl.) ERICH FRITSCH

In jener Zeit, da die Pharisäer des Wohlstandes wieder einmal in unendlichem Maße dem Mammon frönten und die Schreie der Unterdrückten und Hungernden das weite Himmelszelt mit ihrer Inbrunst füllten, da hatte der gerechte Gott ein Einsehen und ließ jene, die da in ihrer Selbstgerechtigkeit protzten, sich erneut üben in jener Demut, die ihm den Menschen wohlgefällig macht. Durch Fügung des Schicksals nahm er jenen das, was die Maschinen laufen läßt, die Wohnungen der Kälte trotzen macht; was ihnen Arbeit gibt. Und siehe, in dem Leid, das über die ehemals Hochmütigen hereinbrach, wurden ihnen die Augen geöffnet für die Ungerechtigkeiten dieser Welt. Und das nicht nur zur Sommerzeit, nein auch im Winter, wenn es schneit.

Rheinbrohl (Rhld.-Pf.) RUDOLF NELLES

Seit ich weiß, wie bedenkenlos schnell und einfach das geht, habe ich (Erpressungs-)Alpträume: Mein Kaufmann erpreßt mich, weil ich leben will, mein Hausherr erpreßt mich, weil ich wohnen will, mein Arbeitgeber erpreßt mich, weil ich Geld haben will, mein Staat erpreßt mich, weil ich in geregelten Bahnen existieren will, meine Religion erpreßt mich, weil ich in den Himmel kommen will ...

Wien EDER CHRISTIAN

Im übrigen sollte man eine Erpressung nicht verurteilen, wenn man selbst der fahrlässigen Tötung dringend verdächtigt wird. Die Großen haben viermal zugesehen, wie die Araber und die Israelis sich gegenseitig die Köpfe abschlugen -- jetzt aus Angst vor kalten Füßen vergeht ihnen die Zuschauerfreude am Töten. Also Schluß mit dem Blutvergießen. denn die zivile Welt braucht warme Füße.

Solothurn (Schweiz) DR. MOHAMED KODJA

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