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Briefe

Großer Hoffnungsschimmer
aus DER SPIEGEL 29/2001

Großer Hoffnungsschimmer

Nr. 27/2001, Kriegsverbrecher-Tribunal: Lebenslang für Milosevic?

Leider ist es mir nicht möglich, in den allgemeinen Tenor der Begeisterung über die Auslieferung Milosevics einzustimmen. Man bietet einem Not leidenden oder bedürftigen Volk Unsummen von Geld an, damit es, unter Umgehung bestehender Gesetze und verfassungswidrig, einen Staatsbürger ausliefert. Es gibt ein Wort für so etwas: Das heißt Nötigung oder Erpressung, wenn ich mich nicht täusche. Mit dem Eingreifen der gnädigen »Geberländer« wurde Jugoslawien die Möglichkeit genommen, die durch Milosevic verkörperte Krise des Landes eigenständig und mit Hilfe der eigenen Gesetze und Gerichtsbarkeit, so schwer oder langwierig das auch gewesen wäre, zu lösen.

ENSCHEDE (NIEDERLANDE) BERNHARD BERGBAUER

Wer war denn verantwortlich für die »Kollateralschäden« der Nato? Solange diese Personen nicht neben Milosevic auf der Anklagebank sitzen, bleibt der ganze Prozess eine Farce!

EHLERANGE (LUXEMBURG)

MARIE-THÉRèSE WAGNER

Die Anklage gegen Milosevic ist ein großer Hoffnungsschimmer, dass es sich kriminelle Staats- oder Regierungschefs in Zukunft nicht mehr leisten können, Verbrechen gegen das eigene Volk oder andere Völker zu begehen. Staats- oder Regierungschefs fallen ab einem bestimmten internationalen Stellenwert des jeweiligen Staates offenbar durch einen politisch motivierten groben Raster, der es ihnen erlaubt, jedes Verbrechen zu begehen, egal ob gegen das eigene Volk gerichtet oder gegen andere Völker oder Staaten. Das gilt es zu ändern, denn ein Verbrecher ist ein Verbrecher.

FREISING (BAYERN) ECKHARDT KIWITT

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