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Briefe

Großer Renner
aus DER SPIEGEL 30/1982

Großer Renner

(Nr. 28/1982, SPIEGEL-Titel: »Kinder-Handel mit der Dritten Welt - Adoption auf Bestellung")

Die Eltern, die legal dunkelhäutige Kinder adoptieren, müssen sich nun in der Öffentlichkeit als Kinderkäufer hinstellen lassen.

Heilsbronn (Bayern) GÜNTHER HIESSLEITNER

Weshalb ist die Rede vom »eigensüchtigen Kinderwunsch«?

Adoptiveltern sind es gewöhnt, mit anderen Maßstäben gemessen zu werden als »normale« Eltern - was bei den einen »natürlich«, ist bei den anderen »eigensüchtig«.

Bietigheim (Bad.-Württ.) ALFRIEDE TAVERNE Mutter von zwei schwarzen Adoptivkindern

Auch wir haben zwei Kinder aus der Dritten Welt adoptiert. Und es war auch teuer, aber wo wird heute schon umsonst Dienstleistung betrieben. Unsere Kinder wurden niemandem abgeschwatzt oder abgekauft. Die Alternative wäre Heim und Slum gewesen, das ist die Realität!

Wiesbaden HANS-DIETER DEBUS

Wir haben unser Patenkind, das in der Nähe von Lima lebt, besucht. Die Ware Menschenkind ist dort immer noch ein großer Renner. Wir haben in 14 Tagen miterlebt, wie sich etwa 15 deutsche Eltern eingedeckt haben.

Wir haben in Erfahrung gebracht, daß der Händler 5000 bis 8000 Mark kassiert. Die Kindesmutter erhält für ihr Kind ungefähr 50 Mark. Ort dieses Handels ist Machu Picchu.

Es ist deprimierend mit anzusehen, wie Kinder nach Augenfarbe, Haarpracht und so weiter ausgesucht werden. In der Hoffnung, daß dieser Babyhandel bald aufhört verbleiben

Berlin INGRID und PETER SCHÖNWÄLDER

Daß sich Organisationen wie die so sehr verteufelte »Flash« überhaupt erfolgreich betätigen können, liegt ja wohl auch an der breitärschig-bürokratischen Schwerfälligkeit der sogenannten »legalen« Hilfsorganisationen und an dem fragwürdigen Nationalismus einiger Staaten der Dritten Welt.

Oese (Nieders.) PETER WERNER

Die Zahl des Mißbrauchs bei der Adoption ist, wenn man logisch denken kann, sicher weit weniger hoch als das Versagen in heimischen Familien, wenn ich von Kindesmißhandlungen spreche.

Berlin ALBERT HOFFMANN

Wir haben im letzten Jahr in Sri Lanka unsere Tochter Sarah adoptiert. Wir erklären uns ausdrücklich solidarisch mit denjenigen, die Hilfe zur Selbsthilfe fordern, damit nicht mehr Mütter aus Not ihre Kinder abgeben müssen. Solange dies aber noch ein frommer Wunschtraum bleibt, halten wir es für legitim und im Rahmen der geltenden gesetzlichen Bestimmungen richtig, wenigstens Einzelschicksale positiv zu beeinflussen.

Moormerland (Nieders.) PETER und URSULA DRABERT

Welcher Außenstehende ahnt unsere Sorgen und Traurigkeit? Kann es für ein Kind besseres geben, als erwünscht und geliebt zu werden? Vergrößern Sie unsere Traurigkeit ob unserer Kinderlosigkeit bitte nicht noch durch Anmerkungen wie »Modetrend«!

Bochum WERNER RÖHKEN

Geprüften und anerkannten Adoptionsbewerbern wird von der Adoptionsvermittlungsstelle (Frau Eilers) des Jugendamtes Bremen ausdrücklich die Kontaktaufnahme zur holländischen Organisation »Flash« empfohlen. Weiter wurden von der Sachbearbeiterin auch gleich die Kosten (damals ungefähr 10 000 Mark) genannt. Auf unseren Einwand, wir würden aus grundsätzlichen Erwägungen diese Praxis des Kaufs eines Kindes ablehnen, wurde die Meinung vertreten, ganz ohne Investition und Risiko gehe es eben nicht.

Bremen RENATE und UDO BERBERICH

Eltern, die sich mit der Vermittlungspraxis deutscher Behörden und privater Organisationen nicht anfreunden können, beantragen bei der zuständigen deutschen Jugendbehörde direkt eine Auslandsadoption. Diese wird bis zur Erteilung der Pflegeerlaubnis genauso behandelt wie eine deutsche Adoption. Mit dieser Pflegeerlaubnis und anderen Papieren wendet man sich dann an die Behörden des betreffenden Auslandes. S.8 Diese vermitteln dann aufgrund der deutschen Pflegeerlaubnis ganz legal ein zur Adoption freigegebenes Kind. In Deutschland wird dieses Kind dann unter Vorlage der ausländischen Papiere behandelt wie ein deutsches Adoptivkind und nach einem Jahr endgültig adoptiert.

Hamburg INGE MANDOS

Muß es eigentlich unbedingt ein Kind aus einem Entwicklungsland sein? Sind unsere Kinderheime etwa leer? Als Eltern von drei eigenen und einem Adoptivkind (aus Deutschland) mußten wir feststellen, daß dank der Bürokratie, sprich Jugendämter, oft Jahre vergehen, bis Kinder, die bereits als Säuglinge zur Adoption freigegeben wurden, tatsächlich ein Elternhaus gefunden haben.

Karlsruhe DR. MED. BURKHARD ZIEGLER

Wir haben im vorigen Jahr ein Mädchen aus Sri Lanka auf - so wie Sie schreiben - »eigene Faust« adoptiert.

Eine Adoption von Kindern im Säuglingsalter bedeutet kein Entreißen aus dem Kulturkreis, den diese Kinder noch gar nicht kennen. Es ist darüber hinaus ein Trugschluß anzunehmen, daß man bei der Adoption ein »mandeläugiges Püppchen« in den Babykorb gelegt bekommt.

In Wirklichkeit handelt es sich meist um völlig unterernährte, apathische, hilflose Wesen, von denen man auch nicht weiß, ob sich nicht doch noch Spätschäden einstellen können, und die sich, wenn man Glück hat, erst mit viel Fürsorge und Liebe in die von Ihnen beschriebenen Püppchen »verwandeln«.

Wülfrath (Nrdrh.-Westf.) HANS-JÜRGEN ROTH

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