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Hausmitteilung Gründgens

aus DER SPIEGEL 40/1981

Datum: 28. September 1981 Betr.: Gründgens, Mettke

Bevor Urs Jenny zum SPIEGEL kam, war er sieben Jahre lang Dramaturg am Hamburger Schauspielhaus, an jenem Theater also, für das Gustaf Gründgens von 1955 bis kurz vor seinem Tode, 1963, als Generalintendant und künstlerischer Leiter die Verantwortung hatte.

Jenny, 43, gemeinsam mit Hellmuth Karasek Leiter des Kultur-Ressorts und Autor der Titelgeschichte dieses Heftes, hat Gründgens zwar nie auf der Bühne gesehen, aber die »Macht der grossen Legende« erfahren. Jenny nach siebenjähriger Tätigkeit am Hamburger Schauspielhaus: »Was diese Bühne leistet, wird noch immer an Gründgens gemessen.«

Es ist die dritte Titelgeschichte des SPIEGEL über den »Jahrhundert-Darsteller« (Jenny) des Mephisto. In der SPIEGEL-Ausgabe 20/1949 gab es die erste, mit einem Bild, das Gründgens als exerzierenden Flak-Kanonier zeigte. Damals schrieb Gründgens an Rudolf Augstein: »Das verfluchte Bild hätte ich Ihnen eigentlich doch nicht geben dürfen. Ich sehe aber ein, dass es selbst von dem nobelsten Journalisten zuviel verlangt wäre, nun dieses Bild wieder herzugeben. Sollten Sie es aber auf die Titelseite des SPIEGEL bringen - entschuldigen Sie, wenn ich so grössenwahnsinnig geworden bin -, komme ich persönlich nach Hannover und schlage Sie tot.« Doch da war das Bild schon auf der vierten Umschlagseite gedruckt. Das Angebot von Augstein, »... im übrigen würde ich mich gern von Ihnen totschlagen lassen, wenn Sie dafür einmal in das traurige Nest Hannover kämen«, nahm Gründgens nicht an. 1958, als der SPIEGEL im Hamburger Pressehaus und Gründgens einige hundert Meter entfernt im Schauspielhaus sassen, beantwortete er in einem SPIEGEL-Gespräch Fragen nach den Gründen für die ewig alte Krise des subventionierten Theaters (2/1958): »Die 'Theaterkrise' ersetzt doch heute die Seeschlange in der Zeitung.«

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