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Briefe

Grundsätzlich ungeeignet?
aus DER SPIEGEL 19/2007

Grundsätzlich ungeeignet?

Nr. 17/2007, Atommüll: Wassereinbruch gefährdet Strahlenabfall im Salzstock Asse

Etwa Mitte der achtziger Jahre, noch vor Tschernobyl, fand in der Fachhochschule in Mannheim eine öffentliche Diskussion zum Thema »Entsorgung des Atommülls« statt. Eine schlüssige Lösung hatte man nicht, und selbst die Möglichkeit, hochradioaktive »Reste« in Glaskokillen einzuschmelzen, wurde verworfen. Grund war, dass dieser Abfall über Jahrtausende hin noch so viel Wärme entwickelt, dass die Glaskörper durch den Salzstock durchsacken und letztendlich zu einer Grundwasserverseuchung führen können, unabhängig von Wassereinbrüchen! Die angestrebte »Fässer-Lösung« scheint nun auch nicht der Weisheit letzter Schluss zu sein. Deshalb weiterhin Glück auf - für eine überfällige Entsorgung.

MANNHEIM GEORG KELCH

Seit den Frühtagen des Kalibergbaus im Deutschland des 19. Jahrhunderts, als die Staßfurter Gruben in Serie absoffen, ist die Instabilität der Salzstöcke Allgemeinwissen. Herr Gabriel müsste dies auch wissen in Bezug auf das Bergwerk Riedel in der Region Hannover, in dem seit Kriegsende Munition lagert. Auch hier hat der Gebirgsdruck binnen kurzer Zeit die frühere Wehrmachtsmunitionsanstalt so zusammengequetscht, dass ein Neuauffahren ausgeschlossen ist. Die Flutung dieser inoffiziellen Deponie für Rüstungsaltlasten steht unmittelbar bevor. Auch hier gibt es auf der obersten Sohle eine sogenannte Laugenblase, durch die seit mehr als 30 Jahren Lauge zufließt. Dieses Bergwerk hätte allen als Beispiel dienen können, dass Salzstöcke zur Atommülllagerung grundsätzlich ungeeignet sind.

UETZE (NIEDERS.) RALF BIEROD

Herr Gabriel wird sich entscheiden müssen, ob er lebens- und zukunftssichernde, bauliche Sofortmaßnahmen ergreift, um damit letztendlich den gemeinen Bürger seines Wahlkreises zu retten. Ansonsten riskiert er, dass Menschen eine Art »Tschernobyl reloaded« erfahren, das er nicht verhindert hat. Nicht die politische, sondern die sachgemäße Entscheidung muss getroffen werden. Denn: Die »Soße« wird nicht ewig im Fass bleiben.

HEIDELBERG HASAN PAMUK

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