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Briefe

Gruselkabinett
aus DER SPIEGEL 37/1985

Gruselkabinett

(Nr. 35/1985 SPIEGEL-Titel: Der Spionage-Skandal) *

Wie wäre es, wenn der Kohl mal genau vom BfV überprüft wird? Mit allen seinen Schmiergeld-Affären und seinen »Kann mich nicht erinnern«-Problemen ist er doch hochgradig erpreßbar und daher auch ein absolutes Sicherheitsrisiko.

Gundelfingen (Bad.-Württ.) G. BAUMGART

Habe nach Bekanntwerden des Falles Tiedge sofort Fenster und Rolläden geschlossen und nachts vor die Fenster brennende Kerzen gestellt. Erbitte Mitteilung, ob ich mit dieser umsichtigen Handlungsweise dazu beitragen kann, den Schaden für dieses unser Land zu begrenzen.

Hainburg (Hessen) ERWIN SALOMON

Tja. Unsere amerikanischen Freunde trauten ihren »Kollegen« vom »BND« usw. eh nicht so recht. Aber nach dem Fall Tiedge sagen die uns nicht mal mehr die Uhrzeit. Gehupft wie gesprungen: Abwehrmäßig ist es bei uns schon lange 5 nach 12 Uhr.

München G. EHRL

Betrachtet man den Schaden, den Kohl, Geißler & Co. bisher dieser Republik zugefügt haben, könnte einem glatt die Idee kommen, ob die vielleicht auch ...?

Neuried (Bad.-Württ.) KLAUS LINGNER

Ich fürchte, Sie tun Mr. Le Carre höchst unrecht, wenn Sie die Bonner Spionage-Plotte mit seinen Werken in Verbindung bringen. Denn was derzeit in Bonn geschieht, hat doch noch nicht einmal Wanderbühnenformat: ein zusammengeschludertes Drehbuch, derangierte Akteure und ein besoffener Regisseur wider Willen. Oder?

Bochum WERNER PUCHALLA Bochumer Kriminal-Archiv

... und eines Tages werden wir unseren Enkeln erzählen: In den achtziger Jahren regierte das Gruselkabinett des Dr. Kohl.

Bonn INGEBORG FEHRENZ

Nach so vielen Überraschungen aus Bonn in der letzten Zeit würde es mich nicht wundern, wenn die gesamte Bundesregierung in der DDR um politisches Asyl nachgesucht hätte.

Zürich STEFAN SZABO

Nur Gefreite stolpern hierzulande über einen nicht »befehlsgemäß gesäuberten« Aschenbecher. Je höher das Amt, je weniger Kontrolle. Abweichendes Verhalten im Amt, Mißbrauch von Privilegien der Macht sind längst nicht mehr Ausnahme, sondern systemimmanente Folge politischer (geistiger) Korruption.

München KURT OBERMANNS

Ist es ein Zufall, daß der Landesverräter Tiedge äußerlich der gleiche Typ ist wie Bangemann, Kohl und Strauß?

Hamburg HEINER FRITZSCHE

Masal tov! Herzlichen Glückwunsch! Dafür wurde jahrelang jedes DKP-Würstchen im Postamt zum Sicherheitsrisiko erklärt, jeder Anti-Kernkraft-Demonstrant auf Video verewigt und in Polizei-Dateien gespeichert, jeder Brief an einen RAF-Häftling mit der umgehenden Aufnahme des Absenders in die

»Befa« (Beobachtende Fahndung) beantwortet. Mir zu Ehren hat mal ein BGS-Beamter bei Emmerich die Notbremse gezogen, um mich aus dem fahrenden D-Zug heraus zu verhaften, da ich eine Geldstrafe nicht bezahlt hatte. Und nun stellen sich die Überwacher als das größte Sicherheitsrisiko heraus. Die bekannte deutsche Gründlichkeit hat sich selbst in den Arsch gekniffen.

Jerusalem HENRYK M. BRODER

»Fidele Zustände« herrschen nach Meinung von Franz Josef Strauß im Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln. Die Schutzbehauptungen des ehemaligen Präsidenten Hellenbroich lassen eher auf eine Trinkerheilanstalt schließen, in der ansonsten hoffnungslose Fälle mit fürsorglicher Rücksichtnahme und unverdrossenem Glauben auf Besserung behandelt werden.

Karlsruhe DR. DIETER KELLER

Es stellt sich die Frage, ob der frühere Präsident Heribert Hellenbroich für den finanziellen Schaden, der der Bundesrepublik und somit dem Steuerzahler entstanden ist, persönlich finanziell zur Rechenschaft gezogen wird, mit Vollstreckung, Pfändung, Abgabe der eidesstattlichen Versicherung und Konkursantrag, wie dies staatliche Betreibungsämter sonst zu tun pflegen.

Berlin PETER BECKER

In unserer konservativen Demokratur sind die sogenannten Verfassungsschützer derart mit den »Grünen« und mit anderen nicht CDU/CSU-konformen wirklichen Demokraten beschäftigt, daß sie nicht merken, wer sich bei ihnen in den Amtsstuben rumtreibt.

Bliesdorf (Schlesw.-Holst.) ALFRED DRÄGER

Sie berichten zum Fall Tiedge, »die Unionschristen könnten die Liberalen rüffeln«, weil eine von Bundesminister Zimmermann gewünschte schärfere Fassung der Sicherheitsrichtlinien an meinem Kollegen Gerhart Baum und mir gescheitert sei. Richtig ist, daß man die Verfassung nicht schützen kann, wenn man den in der Verfassung vorgesehenen Schutz der Privatsphäre der Bürger mit leichter Hand mißachten wollte. Richtig ist auch, daß die geschilderten Spionagefälle mit den Sicherheitsrichtlinien nichts zu tun haben, und richtig ist, daß eine Änderung dieser Richtlinien für die Sicherheitsüberprüfung vom Bundesinnenminister während seiner bisherigen Amtszeit nicht gefordert wurde und daher an uns auch nicht gescheitert ist. Bei Tiedge handelt es sich um ein erkanntes Sicherheitsrisiko, das auf seinem Platz gelassen wurde. In den anderen Fällen hatten die nach den geltenden Sicherheitsrichtlinien vorgenommenen Überprüfungen zu keinen Bedenken geführt. Der damalige Bundesinnenminister

Baum hat während seiner Amtszeit sich darum bemüht, nach dem Fall Guillaume für solche Personen besondere Regelungen einzuführen, die aus anderen Ländern in die Bundesrepublik eingereist sind. Diese Überlegungen sind an unserem damaligen Koalitionspartner gescheitert. Sie sind von dem jetzigen Bundesinnenminister nicht wieder aufgegriffen worden. Bei den Besprechungen über eine Neuregelung des Verfassungsschutzgesetzes ist der Teil, der sich auf die Sicherheitsüberprüfung von Personen bezieht, die in besondere Vertrauensstellungen berufen werden sollen, zwischen den Koalitionspartnern nicht streitig. Im übrigen wäre es ja tatsächlich schlecht, wenn jeder Deutsche, der aus der DDR zu uns kommt, allein schon deswegen als Spion verdächtigt würde.

Bonn DR. BURKHARD HIRSCH, FDP-MdB

Es darf wohl nicht wahr sein! Da wird einem hochcouragierten Bundesanwalt, der durch Bekennen seiner Homosexualität seine angebliche Erpreßbarkeit verhindern möchte, die Bearbeitung geheimer Akten entzogen, während ein offensichtlich verwahrloster Trunkenbold beim Verfassungsschutz im hochsensiblen Bereich belassen wird. Ich bin angewidert von soviel Dummheit beider Vorgesetzter.

Bayreuth ROLAND FOLTIN

Wozu nur diese Aufregung? Herr Tiedge wird in wenigen Jahren zurückkommen, um die ihm zustehenden Pensionszahlungen geltend zu machen. Er bleibt uns doch erhalten!

Hamburg HANS A. W. NISSEN

Wo soviel Dilettantismus offenkundig wird, kann weiter nichts mehr preisgegeben werden. Einen sicheren Schutz vor Verrat böte indessen die Anwendung einer hierzulande nicht unüblichen Maßnahme - diesmal an der richtigen Stelle: Berufsverbot für die Damen und Herren vom Verfassungsschutz.

Detmold JOCHEN OSTERTAG

BRIEFE

Ohne Risiko

(Nr. 33/1985 Prisma: Gefahr durch Priem und Prise) *

Unter der Abbildung des schnupfenden Ex-Kanzlers Schmidt haben Sie vor angeblichen Gesundheitsschäden bei Gebrauch von Schnupftabak gewarnt. Die Meldung bezog sich auf amerikanische Tabakprodukte, die aus historischen Gründen »Snuff« heißen (zu deutsch Schnupftabak), und auf die in USA üblichen Verbrauchsgewohnheiten, nämlich das langzeitige Aussaugen großer Portionen des Produktes im Mund. Das US-Produkt ist also kein Schnupftabak. Deshalb treffen die in USA gemachten Erfahrungen nicht auf deutschen Schnupftabak zu, der ausschließlich in winzigen Prisen kurzzeitig in die Nase genommen wird. Bei den in Deutschland angebotenen Nasen-Schnupftabaken ist noch nie ein Krebsrisiko festgestellt worden.

Landshut ALOIS PÖSCHL GMBH & Co KG

BRIEFE

Trockene Oblate

(Nr. 33/1985 SPIEGEL-Titel: Neues Bewußtsein für die Aids-Gefahr und Nr. 35/1985 SPIEGEL-Gespräch mit Professor Robert Gallo über den neuesten Stand der Aids-Forschung) *

Die sittlich-moralische Wende, die jetzt zu erwarten ist, wird sich schon jemand als politischen Erfolg an die eigene Jacke zu heften wissen.

Essen JENS-HEINER KIEL

Freut man sich, daß die Jahrzehnte hierzulande mit dem Slogan »Make love, not war« gewaltlos verstrichen sind, muß man nun befürchten, daß Lustverzicht Frust heraufbeschwört und sich die Kerle wieder anderer Spiele besinnen: Make war, not love. Trotzdem, weiter Aufklärung erbeten.

München BRIGITTE MAYER

Ein trauriger Effekt der Aids-Diskussion wird sein, daß traditionell Intolerante sich fortan als um die Volksgesundheit bemühte, ehrenwerte Bürger ausweisen können. Viel verlieren die Schwulen nicht! Akzeptiert wurden sie ohnehin nie!

Duisburg BURKHARD PALM

Anstatt die Gesundheitspolitiker anzuklagen, weil der Staat unzureichend an der direkten Virus-Bekämpfung durch die Medizin arbeitet, indem er so gut wie keine finanziellen Mittel zur Verfügung stellt, propagieren Schwule safer sex. Die Safer-sex-Kampagne erweist sich nicht nur als apolitisch und als ein Ausdruck von Selbstunterdrückung, sondern auch als Diffamierung und Ausgrenzung der am Aids-Virus erkrankten Schwulen; nachdem man lange Zeit nichts mit der Tunte zu tun haben wollte, grenzt man sich vom Aids-Erkrankten ab. Nur: der spießige Schwule, der heute safer sex propagiert, wird in absehbarer Zeit selbst Opfer der staatlichen Institutionen werden, denen er sich heute als Moralapostel anbiedert - die Hirnchirurgen wetzen schon die Messer.

Hamburg HARTWIG MALLMANN

Die Aids-Erkrankung bestätigt wieder, daß die Natur, nachdem Syphilis und Gonorrhö durch den menschlichen Verstand überwunden waren, für die Einhaltung ihrer Spielregelung sorgt. Die Liberalisierung der Homosexualität hat den Betroffenen nichts gebracht, sondern nur ihre Zahl vermehrt. Man sollte sich wieder darauf rückbesinnen, daß Homosexualität eine Erkrankung ist, unter der die Betroffenen leiden - auch wenn sie es nicht zugeben wollen. Viele prominente Homosexuelle sind noch relativ jung durch Selbstmord gestorben. Erkrankte sollten der möglichen psychologischen und medizinischen Therapie zugeführt werden.

Homburg/Saar DR. MED. K. PFLEGER

Den Bediensteten im Strafvollzug kann ich nur raten, über ihre Personalräte Druck auf die Ministerialbürokratie auszuüben, damit die Ansteckungsgefahr für die Kollegen und ihre Familien beseitigt wird. Es sind nämlich die Bediensteten vor Ort, die in Gefahr sind, und nicht jene »Schreibtischstrategen«, die für die Horror-Zustände in den Anstalten verantwortlich sind.

München PAUL BREIMER

Die Berliner Justizvollzugsbediensteten haben wiederholt die Justizverwaltung gebeten, die Vollzugsbediensteten und die Gefangenen über die HTLV-3-Infektionen (Aids) aufzuklären und durch fachkundige Ärzte beraten zu lassen. Öffentliche Aufforderungen und Besprechungen mit Behördenvertretern blieben unbeachtet. Für die Berliner Justizverwaltung ist es oberstes Gebot, alle Gesundheitsgefährdungen im Strafvollzug (wie Ungezieferbefall, Lungentuberkulose, infektiöse Leberentzündungen, Hepatitis-B, Aids) herunterzuspielen. Eine Zusammenarbeit mit der Deutschen Aids-Hilfe wird mit parlamentarischer Absegnung abgelehnt.

Berlin JOACHIM JETSCHMANN Landesvorsitzender des Verbandes der Justizvollzugsbediensteten Berlin e. V.

Ich muß Haberle verteidigen. Er ist einer der wenigen, die sich aktiv um Vorsorge in bezug auf Aids Gedanken machen. Seine Vorträge in der BRD, die er unbezahlt und ausdauernd gehalten hat, haben sehr viele von uns angeregt. In Berlin zum Beispiel war ich mit ihm beim Gesundheitssenator Fink, und wir haben durch unsere Vorschläge ganz konkret bewirken können, daß Selbsthilfegruppen vielfältiger Art schnell gefördert werden, daß Vorsorge, Aufklärung, offizielle Aids-Referenten usw, in Berlin als Avantgarde-Modell eingeführt werden. Haberle, Sexualwissenschaftler in San Francisco, kann uns am Beispiel USA helfen, die zwei Jahre, die wir hinter den USA zurück sind in der Statistik der Krankheitsfälle, zu nutzen. Wir brauchen Sofortmaßnahmen. Ich pilgere mit einigen Experten aus Berlin persönlich ins Bonner Gesundheitsministerium zu Prof. Manfred Steinbach. Wenn das nichts hilft, stehe ich mit vielen prominenten Freunden vor dessen Tür, um massiv Geld zu fordern, schnell und jetzt. Wir brauchen wieder eine starke Schwulenbewegung. Die Aids-Hilfe ist erst am Anfang, total überlastet. Wir brauchen Aktionen, die spontan und phantasievoll auf uns aufmerksam machen. Wir Schwule dürfen nicht nur mit Angst und Verdrängung und Schadenfreude reagieren, daß es nun auch Heteros betrifft. Wir müssen selbst die Verantwortung übernehmen. Wir müssen Benefiz-Veranstaltungen unterstützen (am 8. September in der Theaterfabrik in München, am 20. November im Audimax in Hamburg und im Dezember in Hannover und Stuttgart). Wir müssen

den Staat fordern, aber auch Privatinitiativen gründen. Infizierte brauchen psychische Betreuung (man kann den Test nicht ohne Nachsorge vertreten). Man muß offen über Sexualität reden, und das ist vielleicht unsere Chance. Ich schlage Prof. Haberle als offiziellen Aids-Referenten in der BRD vor.

Berlin ROSA VON PRAUNHEIM Regisseur

Ihr Artikel war diesmal fair, ohne Diskriminierung der Risikogruppen. Diese waren die ersten Opfer der heimtückischen Krankheit, nicht die Produzenten des Virus! Was wir jetzt brauchen, ist Geld, Geld und nochmals Geld. Wenn jeder Bundesbürger DM 1,- spendet, haben wir sofort ca. 60 Millionen DM zusammen. Ich fange gleich mit DM 10,an, obwohl ich arbeitslos bin. Bitte richten Sie ein Konto ein, rufen Sie zu Spenden auf, es kann uns alle treffen.

Hamburg RAINER LORENZ

Die DM 10,- hat der SPIEGEL an die Deutsche AIDS-Hilfe e.V., Niebuhrstraße 71, 1000 Berlin 12, Tel.: 030/ 32 360 27, Postgiro Berlin 17900105, überwiesen. Red.

Sie sprechen das Thema »safer sex« an. Sie benennen aber keine einzige Stelle, wo sich Menschen Informationen besorgen können. Es gibt neuerdings einen regelmäßig erscheinenden Aids-Informationsdienst, der über die Deutsche AIDS-Hilfe, Berlin, zu beziehen ist. Kosten für 24 Ausgaben DM 72,50. Ferner wurde in Stuttgart ein Archivdienst der DAH eingerichtet, zur Aids-Information und -Dokumentation. Kliniken, Therapeuten, Ärzte etc. können dort eine Mappe anfordern, die außer Sachinformationen auch eine Aufstellung sämtlicher Literatur enthält, die zum Thema bisher erschienen ist.

Münster BERND FLURY Schwulenreferent/ Allgemeiner Studentenausschuß der Westfälischen Wilhelms-Universität

Beratung und Information erhält man beim Tropeninstitut, Bernhard-Nocht-Straße 74, 2000 Hamburg 4, Telephon 040/31 10 21, beim Bundesgesundheitsamt in Berlin und bei den Universitätskliniken in Frankfurt, Köln und München.

Red.

Neben ehrlicher Information auf breiter Ebene und bewußtem, hygienisch angemessenem Sexualleben könnte es sehr wichtig sein, auch die bisherigen Praktiken im Medizinalwesen zu überprüfen. So mancher Patient hat auch im Krankenhaus durch nichtsterilen Spritznadelkontakt eine Hepatitis bekommen. Wie sieht es im Massenbetrieb vieler Zahnärzte aus? Wird wirklich und absolut verläßlich für jeden Patienten jeweils heißluftsterilisiertes (2 Std. Dauer bei 180 Grad C!) Bohrnadel- und anderes diagnostisches und therapeutisches Instrumentarium verwendet? Oder müssen sich Patienten mit zusätzlichen Sorgen der zumeist unvermeidbaren Sanierung ihrer Zähne nähern? Ist dieser Schutz

auch dann sichergestellt, wenn der Zahnarzt, was häufig der Fall ist, unter großem Zeitdruck steht? Wir Patienten wünschen es uns jedenfalls sehr!

Wuppertal HEINZ KREY

Die Frage erhob sich, ob der Gemeinschaftskelch des evangelischen Abendmahls noch zumutbar sei. Wir bieten in jedem Sonn- und Feiertagsgottesdienst das hl. Abendmahl so an, daß jeder nach seiner Facon teilnehmen kann. Wer die alte übliche evangelische Art beibehalten will, ißt die ihm gereichte Oblate und trinkt aus dem ihm hingehaltenen Trinckelch. Wer die orthodoxe ostchristliche Praxis bevorzugt, läßt sich die Oblate reichen und taucht sie in den mit der anderen Hand des Pfarrers hingehaltenen anderen Kelch ein, in dem sich Wein befindet, der nicht getrunken werden soll. Wer Alkoholiker ist, hat nicht nur einmal monatlich (am 2. Sonntag jeden Monats) die Gewißheit, daß in beiden Kelchen statt Wein alkoholfreier Saft angeboten wird, sondern kann bei den anderen Abendmahlsfeiern die Oblate nur in den oberen Teil des Tauchkelches hineinhalten, damit außer dem austeilenden Pfarrer keiner sieht, daß er denn doch die Oblate trocken läßt. Wer von der römisch-katholischen Praxis geprägt ist, läßt sich nur die Oblate reichen und geht an beiden Kelchen ehrerbietig vorbei, ohne sie zu benutzen. Wer Mundkommunion gewohnt ist, kann so, wer Handkommunion will, auf die andere Weise teilnehmen. Derweil wird gesungen vom Chor oder der Gemeinde. Wir können also nur empfehlen, in den anderen Gemeinden ebenfalls nach unserer Erfahrung vorzugehen, damit niemand mehr wegen Angst vor Ansteckung sich das hl. Abendmahl entgehen läßt.

Königstein im Taunus M. C. FRHR. VON HEYL Pfarrer

BRIEFE

Pardon

(Nr. 24/1985 Performance-Kunst: Die New Yorker Künstlerin Colette) *

Zwei kleine Details möchte ich anmerken: Das eine ist, daß ich immer noch in Berlin wohne, ebenso wie in New York ... das andere, daß ich ein Jahr älter gemacht wurde, als ich bin ... Außerdem würde ich gern endgültig festhalten, daß der Ausdruck »Performance-Künstlerin« nicht die richtige Benennung für mich ist, da ich jetzt vornehmlich Kunstwerke ausstelle oder Installationen mache.

Berlin COLETTE Künstlerin

BRIEFE

Schlappe Erfahrung

(Nr. 34/1985 Lebensmittel: Skandal um verseuchtes Flüssigei) *

Ich werde nie mehr fertige Teigwaren kaufen, denn wer garantiert mir, daß die

Qualität in Zukunft besser ist? Gänzlich unverantwortlich finde ich die Haltung der Behörden, denen die Unsauberkeiten schon zwei Jahre lang bekannt waren.

Freiburg M. WEIS

Frau Rihm hat offensichtlich ein gespanntes Verhältnis zur Geschichte der Hygiene. Als bei uns noch das Bad auf der Tenne üblich war, gab's längst »türkische Bäder« mit einem hohen Standard, vom religiös begründeten Reinlichkeitsgebot ganz zu schweigen. Die verwahrloste Bausubstanz türkischer Quartiere bei uns geht nicht auf das Konto der Mieter, sondern der Vermieter. Armut schändet nicht, unter deutschem Dünkel hat die ganze Welt gelitten.

Bonn RICHARD HAAR Bundesgeschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt

Sollte der von Ihnen zitierte Satz »Wenn Sie einen Salatkopf essen, den vorher eine Türkin angefaßt hat, dann haben Sie mehr Bakterien auf dem Tisch als bei unseren Nudeln« tatsächlich ein Erguß der Dame Rihm sein, dann ist zu befürchten, daß sie, durch allzu häufigen Genuß ihrer Nudeln, bereits eine größere Menge mit Kükenembryos, Bakterien und Hühnerkot angereichertes Flüssigei im Kopf hat.

Lich (Hessen) FRIEDRICH MEDERER

Passendes Graffito zu diesem Vorgang: »Ausländer, laßt uns nicht allein mit solchen Deutschen.«

Backnang (Bad.-Württ.) K. JOACHIM

Welch »schlappe« Erfahrungen mit Männern ihres Dunstkreises muß Marianne Rihm wohl machen, wenn diese ausgezehrten Herren erst nach dem Genuß von »Schwarzwald-Mädel-Spätzle« - sozusagen vollgestopft mit diesen »kleingehäckselten Embryos« - jenes »Steh«-Vermögen erlangen können.

Spiegelau (Bayern) HANS JRISCHMÜLLER

Wenn ich einen Salatkopf äße, den vorher Frau Rihm angefaßt hat, würde mich heftigste Übelkeit befallen.

Clausthal (Nieders.) HANS-PETER SCHROER

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