Zur Ausgabe
Artikel 8 / 123
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

BUNDESWEHR GSG 9 nach Bosnien?

aus DER SPIEGEL 7/1998

Der amerikanische General Wesley Clark, Nato-Oberbefehlshaber in Europa, möchte die Sfor-Friedenstruppe in Bosnien um Polizeikräfte verstärken. Einheiten der französischen Gendarmerie, der italienischen Carabinieri und des Bundesgrenzschutzes könnten nach diesem Plan für Recht und Ordnung sorgen und den als Kriegsverbrecher angeklagten und international gesuchten Serben-Führer Radovan Karadzic fassen. Die Sfor-Truppe sei dafür nicht geeignet, die in Bosnien tätige internationale Polizeitruppe habe nur beratende Funktion. Deshalb verlangt Washington jetzt »paramilitärische Spezialkräfte«. Die Amerikaner haben dabei auch die deutsche GSG 9 im Auge - die Truppe verfügt über einschlägige Erfahrungen mit Geiselnahmen. Die Bundesregierung hat allerdings rechtliche Bedenken, Polizeikräfte einem militärischen Oberkommando zu unterstellen (Frankreichs Gendarmerie und Italiens Carabinieri unterstehen dem Verteidigungsministerium). Außerdem fürchtet das Verteidigungsministerium, die Sfor-Truppe werde sich so zu einer »Okkupationsarmee« entwickeln. Wehrminister Volker Rühe ist nur bereit, nach dem Ablauf des geltenden Sfor-Mandats im Juni weiterhin rund 3000 Bundeswehrsoldaten zu entsenden. Er rechnet damit, daß die Friedenstruppe noch zwei bis drei Jahre in Bosnien bleiben muß. Ihre Gesamtstärke von derzeit 34 000 Soldaten, verlangt Rühe, solle aber alle sechs Monate überprüft werden.

Zur Ausgabe
Artikel 8 / 123
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.