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Kuba Guevaras Draht zu Washington

aus DER SPIEGEL 21/1996

Neue Enthüllungen über die Geschichte der kubanisch-amerikanischen Beziehungen erhellen ein überraschendes Detail: 1961 traf sich Revolutionsführer Che Guevara mit einem Abgesandten des US-Präsidenten John F. Kennedy, um Washington Verhandlungen über eine Wiederannäherung und friedliche Koexistenz anzubieten. Während des dreistündigen Gesprächs mit Kennedys Berater Richard Goodwin versprach Guevara freie Wahlen, »sobald sich die Revolution gefestigt« habe. Außerdem verkündete er, daß Kuba einen von der Sowjetunion unabhängigen Kurs steuern wolle. Wenn Washington wieder Zucker aus Kuba importiere, werde Havanna einen Teil seiner Einkünfte dazu verwenden, die von Fidel Castro enteigneten Grundbesitzer zu entschädigen. Schließlich versicherte er Goodwin, daß Havanna die US-Basis Guantanamo unbehelligt lassen werde. Zu der geheimen Begegnung kam es in der Nacht des 17. August 1961 anläßlich der Panamerika-Konferenz im uruguayischen Seebad Punta del Este. Außer Guevara und Goodwin waren der brasilianische Botschafter Edmundo Barbosa da Silva und der argentinische Diplomat Horacio RodrIgez Lara anwesend. »Guevara kam um zwei Uhr morgens und bot kubanische Zigarren an«, erinnert sich Barbosa da Silva. Zur Auflockerung habe Guevara erzählt, daß Castro in der Sierra Maestra, wo die Revolutionäre ihren Aufstand begannen, nur Kriminalromane las. »Guevara sagte, daß er als einziger Marx gelesen habe. Ich würde nicht sagen, daß er bescheiden war, aber sehr ehrlich.« Guevara schilderte Goodwin die wirtschaftlichen Probleme Kubas. Aber die USA vertrauten ihm nicht. Kennedy hielt es für verfrüht, ein Abkommen mit Havanna zu schließen. Unverrichteterdinge reiste Guevara aus Punta del Este ab.

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