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ITALIEN / WAFFEN Gut in Schuß

aus DER SPIEGEL 44/1965

Wenn meine Gewehre schlecht wären, würde Kennedy noch leben«, behauptet Luciano Riva aus Brescia. Der Waffenfabrikant streitet vor dem Amtsgericht Rom gegen die New Yorker Firma »Adam Consolidated Industries Inc.«, die ihn beschuldigt, »schlechte oder gar nicht funktionierende Gewehre« geliefert zu haben.

Zum Beweis des Gegenteils beruft sich der Italiener auf das einwandfreie Resultat jener Schüsse, die Lee H. Oswald am 22. November 1963 auf John F. Kennedy abfeuerte.

Die Mordwaffe Oswalds, eine »Mannlicher-Carcano«, Modell 91/38, mit der Seriennummer C 2766, gehörte zu einem Posten von 570 763 Gewehren, die das italienische Verteidigungsministerium 1960 zum Verkauf anbot.

Die »Adam Consolidated« bewarb sich und erhielt den Zuschlag für rund sieben Millionen Mark. Die »Mannlicher -Carcano 91/38« wurden mit 2,24 Dollar pro Stück in Rechnung gesetzt. Da die Gewehre verstreut in zahlreichen italienischen Heeresdepots lagerten und zum Teil verrostet waren, schloß die US-Firma mit dem Waffenfabrikanten Riva einen Vertrag, in dem der Italiener sich verpflichtete, zunächst 150 000 Gewehre für 1,50 Dollar pro Stück aus den Depots abzuholen, instand zu setzen und verladefertig zum italienischen Verschiffungshafen zu schaffen.

Unter den Flinten befand sich auch die Kennedy-Mordwaffe. Sie war 1940 von der Waffenfabrik Faet in Terni (nördlich von Rom) gebaut, dann auf verschiedenen Kriegsschauplätzen verwendet worden und 1944 wieder in die Waffendepots von Terni zurückgekehrt.

1960 wurde sie verkauft, in der Riva -Werkstatt überholt, nach New York verschifft und dort im Zoll-Lager - in der Kiste Nr. 3376 - längere Zeit aufbewahrt.

Im Februar 1963 nahm die Chicagoer Sportartikelfirma Kleid die Waffenkiste Nr. 3376 in Empfang: Bei Klein kaufte Oswald- am 13. März 1963 das Gewehr durch. Postbestellung und entrichtete dafür 86 Mark.

Waffenfabrikant Riva hatte sein Geschäft mit der »Adam Consolidated« nicht vertragsgemäß abwickeln können. Die Instandsetzung beanspruchte mehr Zeit als vorgesehen, und die italienische Polizei behinderte die Waffentransporte, die aus allen Teilen des Landes in die Riva-Werkstatt unweit des Gardasees gingen, durch umständliche Kontrollen.

Am 1. Oktober 1960 waren statt der vorgesehenen 150 000 Gewehre nur 44 470 nach Amerika verladen. Die US -Geschäftspartner stellten die Zahlungen bald ein, weil Riva die verlangten Termine nicht eingehalten habe und die Gewehre fast unbrauchbar seien. Nachdem es zu Unfällen mit den italienischen Heeresbüchsen gekommen war, strengten die Amerikaner gegen Riva auch noch eine »Klage auf Ersatz aller entstandenen Schäden« an.

Riva konterte mit einer Klage auf Bezahlung der Gewehre. Er konnte zwar nicht bestreiten, daß auch die Kennedy-Mordwaffe Schäden an Kolben und Lauf hat, jedoch: »Die in Dallas benutzte Mordwaffe ist bei mir so sorgfältig überholt Worden, daß in nur fünf Sekunden zwei von drei Schüssen ins Ziel trafen.«

Riva-Anwalt Andreotti: »Die Gewehre waren alt, aber durchweg gut in Schuß. Wir haben Hunderte von Anerkennungsschreiben.«

Oswald mit Kennedy-Mordgewehr

Schäden an Kolben und Lauf

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