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Tierschutz Habicht oder Huhn

aus DER SPIEGEL 31/1994

Hans Wiesen, sozialdemokratischer Landwirtschaftsminister in Schleswig-Holstein, hat Ärger mit Jägern und Vogelschützern. Ursache ist eine seit Jahren umstrittene Habichtfangverordnung, die Jagdliebhabern erlaubt, dem bundesweit als »gefährdet« eingestuften Greifvogel vom 1. August bis zum 30. November in weiten Gebieten Schleswig-Holsteins nachzustellen. Zweck der Fangerlaubnis: Von den Jägern ausgesetzte Birkhühner, bevorzugte Opfer des Habichts, sollen sich, von den Greifvögeln unbehelligt, ungestört vermehren können.

Bei Tierschützern stößt die Anti-Habicht-Verordnung auf scharfe Kritik. Mehr als 400 der Vögel seien in den letzten sechs Jahren in Habichtkörben gefangen worden; das sei etwa die Hälfte des aktuellen Bestandes im nördlichsten Bundesland. Viele der Tiere verendeten bereits in den Fangkörben, weitere würden getötet oder an Falkner verhökert.

Im März hatte Minister Wiesen deshalb angekündigt, er werde den Habichtfang verbieten. Doch zum Beginn der neuen Jagdsaison, kritisieren Tierschützer, gilt die Fangerlaubnis noch immer. Der Grund für Wiesens Hinhaltetaktik: Der Minister will seine Jäger nicht verärgern. Die drohen bei einem Verbot der Vogelfängerei mit Arbeitsverweigerung; sie wollen dann beispielsweise keine Birkhühner mehr aussetzen und hegen.

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