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Telekom Hacker knacken T-Card

aus DER SPIEGEL 21/1995

Stolz hatte die Deutsche Telekom ihren neuesten Service im März präsentiert. Mit der sogenannten T-Card, so die Telekom-Oberen, könne nun jedermann bargeldlos weltweit telefonieren - von jedem Apparat aus. Manipulationen mit dem Plastikkärtchen seien so gut wie ausgeschlossen.

Doch Hacker fanden jetzt einen simplen Trick, wie sich mit der Karte nicht nur bargeld-, sondern auch nahezu kostenlos telefonieren läßt. Zwei Versionen der T-Card bietet Telekom an, der Trick funktioniert mit beiden. Die eine Karte ist mit einer Geheimnummer ausgestattet und ermöglicht die nachträgliche Gebühren-Abbuchung vom Konto.

Die andere Karte muß für 25 Mark gekauft werden; das Geld wird auf einem Telekom-Computer gutgeschrieben. Der Rechner kennt freilich nicht den Namen, sondern nur die Kartennummer des Besitzers. Hacker bevorzugen diese Version.

Die Karten funktionieren so: Der Besitzer wählt von einem beliebigen Telefon aus eine bestimmte Zugangsnummer und gibt dann seine Kartennummer und - bei der ersten Version - seine Geheimzahl an. Der Computer weiß jetzt, daß er die Gebühren über die Kartennummer abrechnen muß. Dann kann der gewünschte Anschluß gewählt werden.

Der Berliner Physikstudent Marcel, 25, kam durch einige Fingerübungen auf dem Tastenfeld eines Telefons ("Mal sehen, was da passiert") auf einen einfachen Trick. Auch im gefürchteten Chaos Computer Club (CCC) hätten es, sagt CCC-Sprecher Andy Müller-Maguhn, 23, einige »schöpferische Jugendliche mit Technikinteresse geschnallt«.

Normalerweise laufen die Gebühren, sobald sich der Gesprächspartner gemeldet hat. Werden jedoch direkt nach Gesprächsbeginn die Tasten mit den Zeichen Stern, der Ziffer 7 und der Raute gedrückt, wird der Zähler ausgeschaltet, wahrscheinlich durch einen Software-Fehler. Die Leitung freilich bleibt bestehen.

Selbst stundenlange Telefonate sind mit dem Kniff lediglich zum Preis der ersten Gebühreneinheiten möglich. 30 Minuten Washington kosten so etwa von Deutschland aus nur 2,07 Mark, zweieinhalb Stunden Jackson Mississippi und 20 Minuten Jerusalem gab es sogar kostenlos.

Die Telekom, am Freitag vergangener Woche über die Lücke im System informiert, ordnete Überstunden an. »Wir überprüfen das«, sagt Telekom-Sprecher Ulrich Lissek, »wenn es ein Software-Fehler ist, werden wir ihn so rasch wie möglich ausmerzen« - was sie seit Freitag fieberhaft versuchte.

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