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Abrüstung Hände auf dem Rücken

aus DER SPIEGEL 4/1995

Scheitert am Widerstand der nuklearen Habenichtse die für Mai angesetzte Verlängerung des Atomwaffensperrvertrags? Zwar fordern die USA, Rußland und fast alle Industriestaaten, das inzwischen 25 Jahre alte Paragraphenwerk »zeitlich unbegrenzt und bedingungslos« zu verlängern. Aber die Mehrheit der 168 Unterzeichnerländer sind Drittweltstaaten, die sich bei ihrem Verzicht auf Atomwaffen betrogen fühlen. »Es ist völlig inakzeptabel, daß uns die Hände auf dem Rücken gebunden sind, während die Atommächte ihre Verpflichtungen nicht erfüllen«, erklärt Nigerias Uno-Botschafter Isaac Ayewah. Allzu leichtfertig übergingen die fünf anerkannten Atomstaaten - neben den USA und Rußland auch China, Frankreich und Großbritannien - die im Sperrvertrag enthaltene Auflage, eine »allgemeine und vollständige Abrüstung« anzustreben: Sogar nach dem Inkrafttreten aller bislang beschlossenen Abrüstungsverträge werden die USA und Rußland über ein größeres nukleares Waffenpotential verfügen als bei Abschluß des Atomwaffensperrvertrags. Selbst das lange versprochene umfassende Atomtestverbot wird bis Mai nicht ausverhandelt sein, ebensowenig wie eine verbindliche Verpflichtung zum Produktionsstopp von atomwaffenfähigem Spaltmaterial. Um den Sperrvertrag doch noch zu US-Bedingungen verlängern zu können, locken Washingtons Diplomaten Drittweltstaaten mit finanziellen Versprechungen. »Gegenwärtig kann niemand vorhersagen, wie die Abstimmung ausgehen wird«, sagt der kanadische Uno-Abrüstungsveteran William Epstein und warnt: »Ein knapper Sieg wäre eine Niederlage.«

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