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Rußland Härte statt Gnade

aus DER SPIEGEL 6/1996

Schonungslos läßt Rußlands Präsident Boris Jelzin derzeit die Todesstrafe vollstrecken. Damit will er den Eindruck erwecken, einen kompromißlosen Kampf gegen die alarmierende Kriminalität zu führen. Nur fünf Gnadengesuchen gab Jelzin im vorigen Jahr statt; 86 Todeskandidaten traten den Gang zum Henker an. In den überfüllten Gefängnissen sitzen zur Zeit 710 zum Tode Verurteilte - in den ersten drei Jahren nach Jelzins Machtantritt waren lediglich 25 Verbrecher erschossen, 321 dagegen begnadigt worden. Die Hinrichtungswelle treffe leider nur den »Bodensatz« der Gesellschaft, so der Schriftsteller und Vorsitzende der Begnadigungskommission Anatolij Pristawkin. Kein einziger Mafiaboß oder Berufskiller sei bisher zum Tode verurteilt worden. Der Hinrichtungsrekord des vergangenen Jahres war laut Pristawkin geheimgehalten worden, um die gerade erfolgte Aufnahme Rußlands in den Europarat nicht zu gefährden. Jetzt erwartet Straßburg vom Kreml, daß die Vollstreckungen vorerst ausgesetzt werden; bis 1999 sollte die Todesstrafe endgültig abgeschafft werden.

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