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Haft für Kirchenbesetzer

aus DER SPIEGEL 3/1989

Die Besetzung der evangelischen Stadtkirche St. Peter und Paul in Weimar hat die DDR-Justiz mit drakonischen Strafen geahndet. Sechs Ostdeutsche, die sich am 4. Dezember 1988 in der Sakristei verbarrikadiert hatten, um ihre Ausreise in die Bundesrepublik zu erzwingen, erhielten Freiheitsstrafen zwischen neun Monaten und drei Jahren. Eine junge Frau kam, bei einer Strafandrohung von sechs Monaten, mit Bewährung davon. Der Vorfall sorgt in der evangelischen Kirche der DDR noch immer für erhebliche Unruhe. Der Weimarer Superintendent Hans Reder hatte ohne Absprache mit der Kirchenleitung und seinem Gemeindekirchenrat die Volkspolizei gerufen. Reder ignorierte eine innerkirchliche Absprache, die er selbst mitformuliert hatte. Danach sollen Pfarrer in derartigen Fällen »Ordnungskräfte des Staates grundsätzlich nicht einschalten«, es sei denn, die Besetzer würden in der Kirche gewalttätig. In einem Rundbrief hat sich der thüringische Bischof Werner Leich inzwischen von Reder distanziert. Zugleich aber warb der Oberhirte um Verständnis für seinen Superintendenten: Der habe in »erhöhter Erregung« gehandelt, denn die Besetzung sei bereits die fünfte in dieser Kirche gewesen.

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