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Am Rande Hand und Fuß

aus DER SPIEGEL 7/1999

Im Namen des größten Fußball-Rhetorikers aller Nachkriegszeiten, im weiteren »Gröfranz« abgekürzt, ergeht folgendes Urteil: Das Handwerk ist auch nicht besser als die deutsche Nationalmannschaft.

Nun rätseln Fußballfreunde, was Franz Beckenbauer nach der Niederlage gegen die USA damit gemeint haben kann: Spielt die Nationalelf zu oft Hand? Steht das nationale Handwerk auf schwachen Füßen? Haben weder Hand- noch Fußwerk Hand und Fuß? Aber gesagt ("Leistungen wie von Handwerkern") ist gesagt, und Gröfranzens Urteile sind immerhin letztinstanzlich, zumindest bis zur nächsten Kolumne in »Bild«.

So lange mochte sich Hans-Hermann Schaper, Maschinenbaumechanikermeister aus Kirchlinteln-Bendingbostel, aber nicht gedulden. In einem Brief an »Herrn Beckenbauer, c/o FC Bayern München e. V.« hat er Einspruch gegen den Kaiser und Ehre für das deutsche Handwerk eingelegt.

»Arbeitsverweigerung« und »Bummelstreik« führten in seinem Berufszweig zur fristlosen Kündigung, argumentiert der Mechanikermeister. Damit sagt der Mann die Wahrheit, aber nur die halbe: Man mag die deutschen Kicker schmähen wie man will, sie waren immerhin am vereinbarten Tag am Platz, hatten ihr Werkzeug komplett dabei, machten nur eine Pause und verließen ihren Arbeitsplatz so gepflegt, wie sie ihn vorgefunden hatten. All das kann man von deutschen Handwerkern nicht immer behaupten. Und noch was: Das Ergebnis der Arbeit war zwar nicht erfreulich, aber wenigstens einstellig - bei Handwerkern ist es nach 90 Minuten garantiert dreistellig.

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