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PERSONALIEN Hans Friderichs, Erhard Eppler, Horst Jürgen Winkel, Horst Mittelstaedt, Heinz Schwarz, Walther Leisler Kiep, Manfred Schreiber, Klaus Immer, Ingrid Schönhuber

aus DER SPIEGEL 48/1973

Hans Friderichs, 42, Bundeswirtschaftsminister. gab seinem Vater einen Rat zur Ölkrise. Paul Friderichs aus Wittlich (Eifel) hatte in Bonn nachgefragt, ob er eine ihm angebotene Lieferung Heizöl (100 Liter für 29,03 Mark) einkaufen solle, obwohl er noch genügend im Tank habe. Beschied der Minister: »ich würde kaufen.«

Erhard Eppler, 46, Entwicklungshilfe-Minister und Dr. phil., muß sich -- gegen seinen Willen -- ehren lassen. Das »Indian Institute of Technology« im südindischen Madras wollte ihm einen Doktorhut verleihen, doch der Sozialdemokrat hatte abgewehrt: »Das sieht schlecht aus, das Institut ist doch mit deutschem Geld aufgebaut worden.« Bonns Indien-Botschafter Günter Diehl indes warnte vor indischer Verstimmung -- und der Minister nahm an. Eppler: »Dazu bin ich doch eigentlich noch zu jung.«

Horst Jürgen Winkel, 43, Pressereferent im Kanzleramt, nahm seinen Chef gegen eine Attacke der katholischen »Neuen Bildpost« in Schutz -- unter Berufung auf Konrad Adenauer. Das Blatt hatte ein von Winkel herausgegebenes Buch mit Kinderbriefen an Willy Brandt (Titel: »Lieber Bundeskanzler, ich bin 8 Jahre und möchte Deine Freundin sein") kritisiert, weil darin »weiter an der Legende vom gütigen Horst Mittelstaedt, 51(l.), Ex-Staatssekretär im NRW-Kultusministerium, der im September über eine falsche Spesenabrechnung stürzte, wurde späte Ehre zuteil. Bei einem festlichen Abendessen mit Gattinnen -- die Teilnehmer zahlten selbst -- verabschiedeten die Staatssekretäre der NRW-Ministerien den gefallenen Kollegen vergangene Woche in der Düsseldorfer Staatskanzlei. Als bleibendes Andenken erhielt Mittelstaedt ein Silbertablett mit Landesvater gehäkelt« und »letztlich Personenkult getrieben« werde. Die Katholiken-Postille: »Adenauer hat nie geduldet, daß ihm zu Lebzeiten Lorbeerkränze geflochten wurden.« Die »Neue Bildpost« hatte freilich übersehen, daß auch Adenauer »keine Ausnahme« (Winkel) machte. Beweis: ein kürzlich veröffentlichter Bericht ("Eine Nonne sollte Konrad Adenauer populär machen") der CDU-nahen »Bonner Rundschau«, wonach die Ordensschwester Daniela Krein seit 1953 im Auftrag von CDU-Politikern Zeitungsartikel und drei Bücher über den ersten Bundeskanzler geschrieben hat.

Heinz Schwarz, 45, rheinland-pfälzischer Innenminister und passionierter »Reval« -Raucher (Schwarz: »Um die 35 Stück pro Tag) sorgt sich um die Gesundheit der Nichtraucher in den Landesbehörden. Im Amtsblatt der Mainzer Regierung wies der CDU-Politiker die Behörden- und Dienststellenleiter an, unter anderem in Diensträumen mit starkem Publikumsverkehr das Rauchen zu verbieten, Raucher und Nichtraucher möglichst in verschiedenen Diensträumen unterzubringen. Schwarz selbst hatte sich jüngst einem Appell des Mainzer Sozialministers Heinrich Geißler verschlossen, in den Kabinettssitzungen das Rauchen zu unterlassen, denn: »Es ist schließlich meine Sache, wie ich mich umbringe.« einem eingravierten Wunsch ("Zur freundlichen Erinnerung an die gemeinsame Arbeit"). Mit eingeritzt ist unter den Namen der Staatssekretärs-Kollegen (r.) auch der Name des Mannes, über den Mittelstaedt stürzte: Otto Benesch. Denn Benesch, früher Staatssekretär im Sozialministerium. ist seit zwei Jahren Präsident des Rechnungshofs in Düsseldorf; seine Revisoren hatten Mittelstaedt wegen rund 800 Mark zuviel kassierter Spesengelder gerügt. Walther Leisler Kiep, 47, CDU-Bundesschatzmeister, trug beim Hamburger Parteitag der Christdemokraten seine linke Hand in der Schlinge. weil er -- wie er einem Korrespondenten der »Frankfurter Rundschau« weismachte -- die Finger »beim Zählen der Geldscheine in der Tresor-Türe eingeklemmt« habe. In Wahrheit war der hünenhafte Politiker (Körpergröße: 1,92 Meter) im Hotel »Vier Jahreszeiten« beim Duschen in der Badewanne ausgerutscht, nachdem er sich den Kopf an der Zimmerdecke angestoßen hatte; bei dem Versuch, sich im Fallen am Waschtisch abzustützen, faßte Kiep in zwei Zahnputzgläser und schnitt sich an Zeige-, Mittel- und Ringfinger. Von spöttelnden Parteitags-Teilnehmern befragt, ob seine Schwiegertochter. eine Hamburger Tierärztin, den Verband angelegt habe, gab der Christdemokrat Bescheid: »Die behandelt nur kleine Tiere.«

Manfred Schreiber, 47, Münchens Polizeipräsident. dem forsche Einsatzleitung bei spektakulären Verbrechen (wie dem Banküberfall in der Prinzregentenstraße und dem Massaker während der Olympischen Spiele) den Spitznamen »Kugel -Schreiber« eingetragen hat. wurde nun attackiert, weil er beim nächtlichen Einsatz gegen die Entführer der »Wienerwald« -Chef-Tochter Evelyn Jahn vorletzten Mittwoch nicht anwesend war. Die »Süddeutsche Zeitung« kommentierte, der Polizeichef habe zu dieser Zeit »bei diversen Anlässen« eine »vortreffliche Figur auf dem gesellschaftlichen Parkett« gemacht. Gemeint waren Schreibers Besuche in den Münchner Nobel-Herbergen »Continental« (bei einer Veranstaltung des Internationalen Olympischen Komitees) und im »Bayerischen Hof« (bei der Witwe des ehemaligen Frankfurter Polizeipräsidenten Gerhard Littmann), die nach Angaben von Schreiber-Untergebenen »Bestandteil der polizeilichen Taktik« gewesen seien: Die Hotel-Auftritte des Präsidenten sollten den Entführern den Eindruck aufdrängen, daß die Polizei keinen Kontakt mit der Hendl-Familie Jahn aufgenommen habe. Schreiber reagierte auf den »SZ«-Kommentar mit dem Leserbrief-Hinweis, daß er ja dann doch noch am Schauplatz gewesen sei und »mit meinen Kollegen und dem Täter morgens gegen drei Uhr ... das Geld suchte, das ... schließlich der Hund erstöberte«.

Klaus Immer, 49, SPD-MdB, will ein Parlamentarier-Privileg verhindern. In Briefen an Bundestagspräsidentin Annemarie Renger, die Fraktionsvorsitzenden und Wirtschaftsminister Hans Friderichs widersetzte sich der Sozialdemokrat der Forderung seines CSU-Kollegen Richard Jaeger, für Bundestagsabgeordnete das Sonntags-Fahrverbot durch Sondergenehmigungen aufzuheben, weil -- so Jaeger -- eine »Säule der Demokratie« gefährdet sei. wenn die Politiker keine Reisen durch ihre Wahlkreise unternehmen könnten. Immer findet indes, daß »Solidarität der Abgeordneten mit der Bevölkerung wichtiger ist, als Versammlungen abzuhalten«. Der Diplom-Landwirt richtet sich deshalb auf die neue Situation ein: Veranstaltungen in seinem Wahlkreis Neuwied will er per Fahrrad aufsuchen ("Als Ostfriese bin ich ja mit dem Rad groß geworden"). Und für größere Distanzen ("So 10 bis 15 Kilometer") hat er schon die Zusage eines befreundeten Reitstall-Besitzers, ihm ein Pferd auszuleihen.

Ingrid Schönhuber, 38. Münchner Rechtsanwältin, zog »die Konsequenz eines monatelangen inneren Ringens« -- und trat vergangene Woche als Mitglied der SPD-Stadtratsfraktion zurück und aus der Partei aus, der sie elf Jahre angehört hatte. Die Ex-Genossin, die im permanenten Hauskrach der Münchner SPD erst auf halblinks eingeordnet wurde und zuletzt in die andere Richtung tendierte. fand den »Ton unter Genossen immer verletzender«, den »Haß gegen Andersdenkende immer größer« und reklamierte, ihre Kritik an der »propagierten Konfliktstrategie« der Linken habe ihr »psychischen und physischen Terror« eingebracht. Während der Münchner SPD-Vorstand diesen Schritt der »Kronzeugin der Aushöhlung« ("Süddeutsche Zeitung") mit der Bemerkung deutete, Frau Schönhuber habe nur einem Parteiordnungsverfahren »wegen Verleumdung der SPD« zuvorkommen wollen, konstatierte die SPD-Stadtrats-Rechte einen »herben Verlust«. Fraktionschef Hans Preißinger: »Trotz aller Hiobsnachrichten glaube ich, daß der Kampf gegen die sogenannten Linken noch einen Sinn hat.«

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