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Hans-Gert Pöttering

aus DER SPIEGEL 4/2004

Hans-Gert Pöttering , 58, Vorsitzender der christdemokratisch-konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, gewann dem an ihn gerichteten Brandsatzbrief auch gute Seiten ab. Jahrelang habe er als Politiker sich abgerackert, ohne groß Beachtung zu finden, trug der deutsche CDU-Mann seiner Fraktion vor. Der Anlass sei zwar traurig, fuhr er dann fröhlich fort, aber die heiße Post habe ihn weltweit bekannt gemacht. Den Absendern - mutmaßlich Anarchisten aus Bologna - zollte Pöttering widerwillig Respekt: Die wüssten wenigstens »im Gegensatz zu vielen anderen« um das Gewicht und den Einfluss des Chefs der größten Fraktion im europäischen Parlament. Sonst hätten sie ihn nicht als einen der Empfänger ausgewählt. Kurz nach Erhalt der Sendung, die beim Öffnen durch eine Praktikantin in Pötterings Vorzimmer ohne Schaden anzurichten verpufft war, rief der Christdemokrat bei einem anderen Deutschen an, der es auch ohne eigenes Zutun zu globaler Berühmtheit gebracht hatte. Dem SPD-Europaabgeordneten Martin Schulz, den Italiens Silvio Berlusconi als amtierender EU-Ratspräsident für die Filmrolle eines KZ-Kapos vorgeschlagen hatte, vertraute Pöttering an: »Jetzt bin ich fast so bekannt wie Sie.«

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