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Harry gegen Harald

aus DER SPIEGEL 45/2000

Kurze Tage, lange Nächte - das Lesevolk ist mit Harry Potter auf Zaubertour gewesen, nach Hogwarts gereist, zu jenem Internat, wo der Hokuspokus-Bube die Tricks seiner Zunft erlernt. Doch irgendwann sind wir Zauberlehrlinge mit den vier Schwarten durch, die Glotze hat uns wieder. Außer Lesen nichts gewesen? Nicht ganz. Der Zauber der Literatur hat den Blick auf die Fernsehwelt geschärft.

Welche der TV-Nasen, fragt sich der Potterist an langen Abenden vor dem flachen Schirm, könnte wohl welche Rolle im Zauberbestseller übernehmen? So lässt der Zuschauer seine Gedanken schweifen, und siehe da: Das Personal findet sich verblüffend schnell zusammen. Da wäre Ulrich Wickert, unser Experte für die Tagesthemen: Könnte er, ein Mann von Reife, Autorität und Allerweltsweisheit, nicht blendend das Zauber-Internat leiten - ein Oberlehrer Dumbledore, wie ihn sich die Autorin Joanne K. Rowling erträumt hätte? Allerdings, die Konkurrenz ist scharf: Als zweite Besetzung eignen sich der gütig-autoritäre Nachrichten-Lächler Peter Hahne genauso wie der Allround-Experte Alfred »Eintopf« Biolek. Die Küche soll auf Hogwarts ja vorzüglich sein. Für Harrys strebsame Freundin Hermine steht die Besetzung fest: Keine andere macht stets ihre Hausaufgaben so gründlich wie die TV-Kulturpolitesse Sigrid Löffler. Bleibt noch der böse Lord Voldemort, Harrys Gegenpart. Ein Blick ins Spätprogramm, und schon ist der mächtige Zauberer gecastet: Nur Harald Schmidt verdient die Ehre, sich als Fürst der Finsternis mit Harry anzulegen.

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