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»Harte Linie«

aus DER SPIEGEL 8/1997

SPIEGEL: Was bedeutet es für die Europäische Währungsunion, wenn Deutschland und andere wichtige EU-Länder die Konvergenzkriterien nicht einhalten?

NEUMANN: Das wäre eine schwerwiegende Hypothek für die Währungsunion. Das Interesse, auf Dauer die Aufgaben des Staates zu begrenzen, wird abnehmen. Man kann nicht bei Eintritt in einen Klub großzügig sein und erwarten, daß anschließend Disziplin gehalten wird. Es ist unausweichlich, daß wir uns darauf einstellen, daß die Europäische Währungsunion verschoben werden muß.

SPIEGEL: Was erwarten Sie, wenn die europäischen Politiker unter Führung des deutschen Bundeskanzlers Kohl zusammenrücken und den Euro trotzdem durchziehen?

NEUMANN: Dann wird es international zu einem Rückgang der Anlagen in Euro, die ja bisher weitgehend in Mark gehalten werden, kommen. Das mangelnde internationale Vertrauen führt zu einer Abwertung des Euros. Damit wird es schwer für die Europäische Zentralbank, einen geldpolitischen Kurs zu garantieren, der wirklich zur Geldwertstabilität hinführt. Im Unterschied zur Bundesbank muß sich die Europäische Zentralbank ihre Reputation erst verdienen, und das bedeutet, daß sie am Anfang eine harte Linie fahren muß.

SPIEGEL: Wer sind die Hauptleidtragenden, wenn es zu einer verfrühten Einführung des Euros kommt?

NEUMANN: Dann tragen natürlich letztlich die Bürger die Kosten. Einige von ihnen könnten zusätzlich arbeitslos werden, und es kann für alle zusammen bedeuten, daß sie Einbußen im Lebensstandard in Kauf nehmen müssen.

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