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Hausmitteilung HAUSMITTEILUNG 15. Juni 1998 Titel

aus DER SPIEGEL 25/1998

Als er in die Jahre kam und Hitler bereits randalierte, schrieb Sigmund Freud: »Die Absicht, daß der Mensch ,glücklich' sei, ist im Plan der ,Schöpfung' nicht enthalten.« 60 Jahre nach dem Tod des Mannes, der in Traum und Witz den Königsweg zum Unbewußten fand und den Menschen lehrte, sein Ich sei nicht Herr im Hause, steht die Schöpfung der Psychoanalyse auch nicht sehr glücklich da. Wissenschaftsredakteur Klaus Franke, 64, seit 32 Jahren beim SPIEGEL, hatte bereits im Jahre 1984 in einem Freud-Titel den professionellen »Angriff auf das Reich des Königs Ödipus« (SPIEGEL 52/1984) geschildert. In seiner neuen Titelstory versammelt er die jüngsten Attacken auf Freuds Lehrgebäude ("Kathedrale auf Treibsand"); für Freudianer, die den Meister in einer Linie mit den Weltbewegern Kopernikus und Darwin sehen, sicher eine narzißtische Kränkung.

War Freud selbst glücklich? Mit 59, die Liebe war noch in den Zeiten ohne Viagra, notierte er befriedigt einen »gut gelungenen Coitus«. Und als »eine der größten und billigsten Vergnügungen im menschlichen Leben« empfahl er einem Neffen sein eigenes Laster, das »Rauchen«. Das brachte ihm den Krebs an den Hals, zum würdigen Schluß injizierte ihm ein Freund eine erhöhte Dosis Morphin. »Nur kein Siechtum«, hatte Freud gelobt: »Im Harnisch laßt uns sterben, wie König Macbeth sagt« (Seite 192).

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