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aus DER SPIEGEL 10/2010

Wann immer Dirk Kurbjuweit, 47, Leiter des SPIEGEL-Hauptstadtbüros, Angela Merkel, 55, in den vergangenen Wochen bei Dienstreisen und in Hintergrundgesprächen erlebte, beobachtete er eine Kanzlerin, die kaum eine Gelegenheit ausließ, sich von ihrem Vize Guido Westerwelle, 48, recht deutlich zu distanzieren. Der hatte angesichts von Forderungen nach höheren Hartz-IV-Sätzen von »spätrömischer Dekadenz« gesprochen, was Merkel, so der SPIEGEL-Mann, als »Beitrag zur Spaltung« empfand. Tatsächlich aber, analysiert Kurbjuweit in seinem Porträt der Christdemokratin, hätte Westerwelle ihr »einen größeren Gefallen nicht tun können«. Denn plötzlich war ein Dämon geboren, und Merkel nutzte den offenen Dissens, »um die Konturen ihrer Kanzlerschaft zu schärfen«. In Gegenwart der Regierungschefin gewann Kurbjuweit nebenher einen Einblick in die Vogelwelt. Er lernte etwas über die »Angstmauser«, jenes Verhalten mancher Vögel, vor Schreck einen Teil ihres Federkleids abzuwerfen. Merkel benutzt den Begriff in jüngster Zeit oft. Offenkundig, so Kurbjuweit, sehe sie »einen Großteil der Deutschen in diesem Zustand, und den möchte sie verändern« (Seite 27).

Als vor knapp einem Jahr in Mexiko ein neues Influenza-Virus auftauch-te, ging es den SPIEGEL-Redakteuren Veronika Hackenbroch, 40, und Gerald Traufetter, 37, so wie Wissenschaftlern, Experten der Gesundheitsbehörden und Politikern in aller Welt: Die Angst vor einer Pandemie kam auch bei ihnen auf, und sie schien nicht grundlos zu sein. »Das Weltvirus - wie gefährlich werden die neuen Grippe-Erreger?«, fragte ein SPIEGEL-Titel im Mai 2009. Hackenbroch hatte 2003 schon über die Lungenseuche Sars berichtet, Traufetter 2004 über die Bekämpfung der tödlichen Vogelgrippe in Vietnam. In diesem Heft rekonstruieren die beiden Redakteure mit ihren Kollegen Katrin Elger, 29, und Markus Grill, 42, warum die weit weniger gefährliche Schweinegrippe zu einer weltweiten Hysterie führte - obwohl, so Hackenbroch, »bald deutlich wurde, dass das Virus vergleichsweise harmlos war« (Seite 128).

Mehr als 30 Menschen starben, und schwer vorstellbares Leid brach über viele Familien herein, als Amokläufer voriges Jahr in der Albertville-Realschule im baden-württembergischen Winnenden, 2006 im nordrhein-westfälischen Emsdetten und 2002 in Erfurt um sich schossen. Wie aber leben Schüler, die Zeuge wurden, als Klassenkameraden und Lehrer starben, mit ihrem Trauma? Für SPIEGEL-Redakteurin Dialika Krahe, 27, war es nicht leicht, Vertrauen zu finden bei den Überlebenden, die nach den Bluttaten teils üble Erfahrungen mit Journalisten gemacht hatten. »Manche wie Anna aus Emsdetten wurden gegen ihren Willen weinend mit ihrer Mutter fotografiert, andere lernten erst in einer Therapie, damit umzugehen«, sagt Krahe (Seite 56).

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