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Hausmitteilung Hausmitteilung Atlanta

aus DER SPIEGEL 32/1996

Das Schild, das den SPIEGEL-Leuten gleich nach ihrer Ankunft aufgefallen war, hing in einem kleinen Laden von Atlanta: »Olympische Sicherheitskräfte laufend gesucht«, stand dort handgeschrieben. Als dann das Bombenattentat die Schwäche dieser numerisch so mächtigen Sicherheitstruppe offenbarte, wollte SPIEGEL-Redakteur Helmut Schümann es genau wissen: Er ließ sich anheuern.

Das war kein Problem, wie sich zeigte. Es genügten Führerschein, Paßnummer sowie ein dreistündiges Training mit Prüfung - und nach 24 Stunden war Schümann Olympia-Wachmann im Dienste der Firma Borg-Warner. Nach einem »Background Check« in den Fahndungscomputern gab es dann auch noch eine Akkreditierung, die, in Verbindung mit einem Tagesbefehl, den Zugang zu allen Stadien eröffnete. Erster Auftrag für den zur zeitweiligen Sicherheitskraft gewandelten SPIEGEL-Redakteur: die Bewachung des Hotels, in dem die 134 hochwichtigen Mitglieder des Nationalen Olympischen Komitees der USA untergebracht waren.

Schümanns Karriere blieb atemberaubend. In weiteren 24 Stunden avancierte er vom »Security Guard« zum »Security Officer«, die Uniform wechselte von Schwarz-Weiß ins offizielle Grün-Weiß. Vom Lohn, 10 Dollar die Stunde, wurden am Ende 25 Dollar für das schöne goldene Dienstabzeichen einbehalten, Insignie einer temporären, fragwürdigen Macht - von der Schümann sich nicht trennen mochte (Seite 126).

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