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Hausmitteilung Hausmitteilung Film

aus DER SPIEGEL 6/1996

Ken Loach, mit Ehrungen überhäufter Filmregisseur und Altkommunist aus Britannien, hat eine Eigenart, die bei den Machern in der Traumbranche nicht so häufig vorkommt. Er ist geradezu versessen darauf, die Wirklichkeit abzubilden, und nicht einmal die Dreharbeiten sollen aussehen wie Dreharbeit. Zuschauer, meist reichlich vorhanden, stören da sehr. Und daß nun die SPIEGEL-Redakteurin Susanne Weingarten bei seinem neuesten Werk, das vor dem Hintergrund der Kriegswirren in Nicaragua spielt, an Ort und Stelle zugucken wollte, konnte Loach überhaupt nicht gefallen. »Okay, Sie können dabeisein«, hieß schließlich die Bedingung, »aber kommen Sie mir nicht unter die Augen.« Um dennoch alles mitzukriegen, machte Weingarten sich unsichtbar. Im Provinzstädtchen EstelI zog sie sich, wenn das Filmdrama und die Kamera ihren Lauf nahmen, hinter Haustüren und Bäume oder andere Abdeckungen zurück. Sich hinter den umherstehenden Nicaraguanern zu verstecken war leider nicht möglich. Die SPIEGEL-Redakteurin mißt 1,84 Meter und überragt das mittelamerikanische Landvolk bei weitem. Erst wenn sie abends, zusammen mit der Kernmannschaft der Filmer, zurück ins Hotel fuhr, ging es entspannt zu. Mit Hauptdarsteller Robert Carlyle spielte Susanne Weingarten dann regelmäßig Backgammon und konnte anschließend den Kopf wieder ganz hoch tragen: Sie gewann immer (Seite 174).

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