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Hausmitteilung Hausmitteilung Hafenstraße

aus DER SPIEGEL 1/1996

Die »bürgerliche Presse« ist Teil des verhaßten Gesellschaftssystems, der »herrschenden Clique« eben - so erläuterten 1991 in einem SPIEGEL-Gespräch Bewohner der Hafenstraße in Hamburg-St. Pauli ihre schwierige Beziehung zu den Medien, die es nicht lassen konnten, über die - gelegentlich gewaltsamen - Auseinandersetzungen um die besetzten und bemalten Häuser zu berichten. Angemessen langwierig war denn auch die beim SPIEGEL übliche Autorisierung des Manuskripts durch die Gesprächspartner - ein Vorgang, der dank der komplexen Abstimmungs- und Zustimmungsriten der Besetzer zeitweise aussichtslos erschien. Nun wird die »Hafenstraße« verkauft, und wieder bemühte sich der SPIEGEL um ein Gespräch mit den Bewohnern, von denen einige demnächst auch Eigentümer sein werden. Doch diesmal war alles ganz anders. SPIEGEL-Redakteur Hans-Jörg Vehlewald, seit Jahren auf Kontaktpflege zum Hafenrand bedacht, bekam binnen Stunden einen Termin. Der SPIEGEL-Mann und sein Kollege Bruno Schrep brauchten dann nur noch vor dem Haus Nr. 122 laut zu brüllen - und schon warf ihnen der Bewohner Bernd Coch den Haustürschlüssel vor die Füße, und sie konnten ungehindert eindringen. Und weil es jetzt nur zwei Gesprächspartner waren und diese zudem in ihrer Eigenschaft als Vorstandsmitglieder der Genossenschaft »Alternativen am Elbufer« auftraten, war die Autorisierung vergleichsweise kinderleicht: Ein einziger Tag genügte, und auch sonst ging es sehr viel gesetzter zu. »Naturgemäß«, erklärte Vorstand Joachim Katz die veränderten Verhältnisse, seien die Leute von der Hafenstraße »heute ein paar Jährchen älter« - und »vielleicht auch ruhiger« (Seite 42).

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