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Hausmitteilung HAUSMITTEILUNG Islam

aus DER SPIEGEL 8/1997

Im SPIEGEL ist Gernot Rotter, Professor für Gegenwartsbezogene Orientwissenschaft in Hamburg, kein Neuling mehr. Er schrieb einen Essay, in dem er sich mit der angeblichen Bedrohlichkeit des Islam für den Rest der Welt auseinandersetzte, und seine Attacken gegen den vielschreibenden »Nahostexperten« Gerhard Konzelmann, in dessen Bestsellern er »Plagiat, Paraphrase und Stuß« entdeckt hatte, waren Thema einer SPIEGEL-Geschichte. Wann immer er zu Wort kam, erwies sich dieser Wissenschaftler als ein Mann des Ausgleichs - auch dann etwa, wenn westlichen Betrachtern das Übermaß islamischer Machtausübung unerträglich erschien. Nach dem Todesurteil gegen den Schriftsteller Salman Rushdie zum Beispiel warnte er vor einer pauschalen Verdammung: Von der neuen Generation in der Teheraner Führung, hoffte Rotter damals, sei so etwas kaum zu erwarten. In dem Essay, den er für dieses Heft schrieb, taucht solcher Optimismus nicht mehr auf.

Das Kopfgeld, das die Eiferer in Teheran auf Rushdie ausgesetzt haben, wurde letzte Woche noch einmal erhöht: 2,5 Millionen Dollar sind es jetzt. Doch mehr noch als mit der »Fatwa« gegen diesen Dichter, so Rotter, werde das iranische System durch den brutalen Zugriff auf den regimekritischen Schriftsteller Faradsch Sarkuhi entlarvt - der vor der Ausreise zu seiner in Deutschland lebenden Familie festgenommen wurde und nun in qualvoller Haft sitzt. Die Bonner Regierung mache sich durch ihre lasche Haltung in diesem Fall »zum Komplizen des iranischen Geheimdienstes«, der die Deutschen »an der Nase herumführt wie einen Tanzbären«. Statt dessen, fordert der Orientkenner nun, müsse Bonn »letztlich mit einem Abbruch sämtlicher Wirtschaftsbeziehungen« ein Zeichen setzen (Seite 38).

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