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Hausmitteilung Hausmitteilung Jesus

aus DER SPIEGEL 22/1996

Mit Beiträgen über Kirchliches und Theologisches - oft besonders schwer aufzubereiten für den unbewanderten Leser - hat SPIEGEL-Redakteur Werner Harenberg eine 30jährige Erfahrung. Das fing an 1966 mit einer Serie über »Jesus und die Kirchen« und mündete in eine Vielzahl von Geschichten und Titelgeschichten. Der Kirchenfachmann interviewte Kirchengrößen und Kirchenkritiker. Rudolf Bultmann war darunter, der evangelische Jahrhundert-Theologe, oder Karl Rahner, Katholik und gleichsam das Gegenstück auf der anderen Seite. Er traf auf den Rebellen Eugen Drewermann und den Paderborner Erzbischof Degenhardt - der mit Drewermanns SPIEGEL-Zitaten ein Predigtverbot für den Abweichler begründete.

Doch selbst für den Routinier Harenberg war der Titelstoff dieses Hefts vermintes Terrain. Im Grundsatz geht es um einen neuen Streit über das Leben Jesu und den Gehalt des Neuen Testaments - ausgetragen von dem Papyrologen Carsten Peter Thiede und dem evangelischen Theologieprofessor Gerd Lüdemann, der stellvertretend für viele andere spricht (Seite 64). Im Detail aber wird diese Auseinandersetzung geführt wie ein Wissenschaftskrimi und mit hochkomplizierten, seltsamen Indizien: winzigen Papyrusfragmenten und griechischen Schriften aus den Qumran-Höhlen am Toten Meer, mit Satzbrocken und lädierten Buchstaben.

Die SPIEGEL-Grafik half. Dank Computer und Scanner konnte sie darstellen, wie Experten aus Wort-Ruinen komplette Texte rekonstruieren. Und um aufzuzeigen, wie problematisch es ist, aus 20 griechischen Buchstaben, von denen 10 beschädigt oder fast zerstört sind, verläßliche Schlüsse zu ziehen, ließ Harenberg durch einen Göttinger Wissenschaftler ein entsprechendes deutsches Textbeispiel entwerfen - herausgefiltert aus Goethes Faust. Das Thema wird im nächsten Heft fortgesetzt, ergänzt durch einen Beitrag von Rudolf Augstein.

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