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Hausmitteilung Hausmitteilung Massaker

aus DER SPIEGEL 6/1996

Dienstag letzter Woche stand in allen Belgrader Zeitungen, was der SPIEGEL tags zuvor publiziert hatte: die Aussagen eines serbischen Offiziers über die Massaker, die seine Landsleute unter gefangenen Moslems angerichtet haben, und die Mitschuld der bosnischen Serbenführer Karadzic und Mladic an diesen Greueln. Frühmorgens am Mittwoch klingelte dann bei der Belgrader SPIEGEL-Korrespondentin Renate Flottau zum erstenmal das Telefon - ein Anrufer, der scheinbar nur neugierig war: ob da noch Fortsetzungen geplant seien und wo denn nun der Zeuge stecke? Es folgten noch zahlreiche Anrufe, und darunter waren dann massive Drohungen gegen die SPIEGEL-Mitarbeiterin. Einer verwies auf die vielen Auto-Explosionen, die sich letzthin in Belgrad ereignet hätten. Ein anderer warnte Flottau, demnächst nach Bosnien zu fahren - es gebe dort so seltsame Unfälle. Empört über den SPIEGEL-Beitrag zeigte sich ein weiterer Anrufer, der sich dann als Berater von Karadzic vorstellte und anbot, binnen eines Tages ein schriftliches Interview mit dem immer noch im bosnischen Pale residierenden serbischen Anführer zu vermitteln. Was sonst noch über die Leitung kam, endete meist in wüsten Beschimpfungen. »Es scheint«, so vermutet Renate Flottau, »daß einige Leute in Pale dabei sind, die Nerven zu verlieren.«

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