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Hausmitteilung Hausmitteilung Parteien

aus DER SPIEGEL 26/1992

Hausmitteilung Betr.: Parteien, Ostdeutschland

Noch niemals hat ein Präsident der Bundesrepublik Deutschland so rücksichtslos politischen Klartext geredet wie Richard von Weizsäcker gegenüber Zeit-Redakteuren. Noch niemals sah sich die deutsche Politikerkaste solch ätzendem Tadel ausgesetzt, noch niemals von so hoher Warte. Seit sich der bislang so kreuzbrave deutsche Wahlbürger in Scharen zu den Nicht- und Rechtswählern flüchtet, spätestens seit der Saar-Selbstbediener Oskar Lafontaine splitternackt dasteht, ist offenbar geworden: Die Parteien haben die repräsentative Demokratie in eine schwere Legitimationskrise gestürzt (siehe Titelgeschichte Seite 18).

Daß ihre Häuptlinge zugleich »machtversessen« und »machtvergessen« seien, will vor allem einer von ihnen nicht gelten lassen: der Schlossersohn, gewesene Werkzeugmacher, Doktor der Philosophie, Gewerkschafter, Arbeitsminister und nordrhein-westfälische CDU-Chef Norbert Blüm, gewiß eine der originelleren Gestalten unter den deutschen Politikern. Viermal war er Titelfigur des SPIEGEL, einmal als »Hans Dampf in Bonn«, 16 SPIEGEL-Gespräche oder -Interviews wurden mit ihm geführt.

»Karriere ist mir scheißegal«, sagte Blüm einmal. Und SPIEGEL-Reporter Jürgen Leinemann bestätigte ihm in einem Porträt: »Er ist ehrgeizig, aber nicht karrieresüchtig.« Der Bundesarbeitsminister antwortet dem Bundespräsidenten - ohne »Demutsgesten« (Seite 20).

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