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Hausmitteilung HAUSMITTEILUNG Schmiergeld-Ring

aus DER SPIEGEL 8/1997

Die ersten Spuren führten zu Briefkastenfirmen in Liechtenstein und zu Nummernkonten in der Schweiz, in Österreich und Luxemburg. Wochenlang gingen die SPIEGEL-Redakteure Dietmar Hawranek und Richard Rickelmann den Hinweisen auf einen gigantischen Schmiergeldring in der Automobilindustrie nach, und nun steht fest: Eine Clique von Einkäufern, »Netzwerk« genannt, hat jahrelang bei Zulieferern von VW und General Motors abkassiert.

Das Netz war weit gespannt. Die Briefkastenfirma Ihag im liechtensteinischen Schaan etwa bezog Schmiergelder von Autositzproduzenten; eine Tymar AG im benachbarten Vaduz sammelte Gelder bei den Herstellern von Lackieranlagen ein. Die Zürcher Staatsanwaltschaft verhaftete letzte Woche einen Personalberater, der laut einer Strafanzeige für das Netzwerk 1,2 Millionen Mark eintreiben wollte, und inzwischen ermittelt sogar das US-Justizministerium gegen die weltweit agierende Gang. Besondere Note: Die Fahnder prüfen, ob die Truppe des ehemaligen VW-Einkaufschef López in die Sache verwickelt ist.

Einem schwerwiegenden Verdacht, der womöglich ins Netzwerk paßt, ging SPIEGELtv-Redakteur Helmar Büchel in Prag nach. Dort prüft der VW-Chefermittler Dieter Langendörfer, ehemals Kriminaloberrat in Hamburg, die mysteriösen Umstände eines tödlichen Unfalls, dem der Chef der zum Konzern gehörenden Skoda-Werke zum Opfer fiel. Ein Attentat wird nicht ausgeschlossen. Das da mit allem zu rechnen war, läßt auch das Verhalten mancher Informanten vermuten. Einer bestellte Hawranek und Rickelmann in die einsamste Gegend des Westerwalds - aus Sicherheitsgründen, wie er beteuerte. Und ein anderer erlaubte sich am Ende eines Gesprächs die Frage, ob SPIEGEL-Redakteure vielleicht doch bestechlich seien, »ich sage mal, für eine Million Mark«. Sind sie nicht (Seite 82).

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