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Hausmitteilung Hausmitteilung Sowjetunion

aus DER SPIEGEL 37/1993

Kein Amts- und Würdenträger der weiland Sowjetunion stand den Deutschen und dem deutschen Nachrichten-Magazin so nahe, keiner wußte Regimetreue mit soviel Charme zu verbinden wie Walentin Falin: Sowjetbotschafter in Bonn, ZK-Abteilungschef in Moskau und häufiger Gesprächspartner Rudolf Augsteins. Falin war es, der 1970 für die Bundesregierung den »Brief zur deutschen Einheit« formulierte und damit die Wiedervereinigung offenhielt. Die Umstände und Folgen enthüllt Falin, inzwischen in Hamburg ansässig, jetzt in seinen Memoiren, deren Höhepunkte der SPIEGEL in einer Serie von nächster Woche an veröffentlicht.

Mit dem SPIEGEL, schreibt Falin, habe er »eine große Sache angefangen und gemeinsam fortgesetzt« - eine vernünftige Regelung der deutschen Frage. Falin freilich dachte dabei, wie er bekennt, an einen (geläuterten) Sozialismus für ganz Deutschland, derweil der SPIEGEL Informationen gewinnen, Kontakte knüpfen und auf einen Zustand hinwirken wollte, der den Deutschen Selbstbestimmung gestatten würde - dabei half Falin. So vermittelte er 1981, auf der Höhe der Polen-Krise, das Interview mit Parteichef Leonid Breschnew. Falin selbst wurde vom SPIEGEL achtmal interviewt. Seine Gedanken und Erinnerungen offenbaren, so Rezensent Fritjof Meyer, der Ostexperte des SPIEGEL, »die listenreichen Versuche eines Intellektuellen, in der Sowjetgesellschaft machthabender Dummköpfe auf deren Weltpolitik Einfluß zu nehmen« (Seite 128).

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