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Hausmitteilung HAUSMITTEILUNG SPIEGEL, Strauß

aus DER SPIEGEL 39/1984

Datum: 24. September 1984 Von allen heute noch aktiven Spitzenpolitikern der Bundesrepublik kommt nur einer im SPIEGEL-Reprint des Jahres 1952 prominent vor, der Generalsekretär der CSU Franz Josef Strauß; sonst kommt gar keiner vor, nur Willy Brandt in einer Kurzmeldung, die in einem Leserbrief widerlegt wurde.

In dem SPIEGEL-Bericht über die denkwürdige Wehrdebatte vom 7. Februar 1952, die den CSU-Mann bundesweit bekannt machte, figuriert Strauß als der »beste Redner des Tages«. Augstein, aus dessen Feder der Bericht im SPIEGEL stammt, saß auf der Zuschauer-Tribüne. Adenauer bot ein Bild des Jammers, Strauß riß das Eisen aus dem Feuer.

So lag es nahe, daß Bayerns Ministerpräsident sich bereit fand, den jetzt vorliegenden Reprint 1952 mit einem Grußwort einzuleiten: »1952 - ein Jahr der Klärung«. Er, 1952 ganze 37 Jahre alt und schon auf dem Sprungbrett ins Verteidigungsministerium, konnte im Reprint nachlesen, was er vielleicht bis dahin gar nicht wußte: daß man ihn damals das »Schwert der CSU« geannt hat.

Neben bayrischer Personalpolitik, die Strauß allweil durchzusetzen sucht, finden sich Töne, die man erst wieder bei dem Strauß unserer Tage vernehmen wird. »Natürlich muß man eine Viererkonferenz unterstützen«, sagt Strauß, »dazu steht viel zuviel auf dem Spiel.« Zu wem sagt er das? Zu Augstein. Adenauer aber hatte alles mögliche im Sinn, nur keine Viererkonferenz. Strauß scheue sich nicht, meinte der SPIEGEL damals, sein Temperament »nicht immer zu Dr. Adenauers heller Freude« auch gegenüber dem Kanzler vorzuführen.

»Ein Lebewohl den Brüdern im Osten« war jener Leitartikel in Heft 1/1952 überschrieben, der einen gewissen Jens Daniel bekannt machte, »den widerhakigen Kommentar des SPIEGEL«, so Strauß in seinem Vorwort. Der Bundestagsredner antwortete laut Heft 7/1952: »Wir sagen den deutschen Brüdern im Osten nicht ein Lebewohl mit den Entscheidungen, die wir getroffen haben und vielleicht noch treffen werden.« Über die Einheit Europas zur Wiedervereinigung Deutschlands, laute die klare Parole. Ob er das selbst geglaubt hat? Aber auch Daniel-Augstein war als Prophet nicht unfehlbar. Einem Artikel über Adenauers Westverträge gab er die Überschrift: »Die Verträge sind tot«. Beide erleben heute, was keiner, weder Strauß noch Augstein, gewollt hat, dies wieder in der Bildersprache von Strauß: die »Deutschen als Fußvolk der westlichen Atomritter«.

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