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aus DER SPIEGEL 35/1996

Der Fall der geschändeten und ermordeten belgischen Mädchen hat europaweit geschockt. Doch in aller Welt werden Kinder millionenfach sexuell mißbraucht - in asiatischen Puffs ebenso wie in deutschen Familien. Die vielen Facetten des spektakulären wie des alltäglichen Kindesmißbrauchs beschreiben Redakteure des Deutschland-Ressorts.

In Thailand, Synonym für Sextourismus, wollte Annette Großbongardt herausfinden, wie Politiker und Hilfsorganisationen ihr Versprechen einlösen, der Kinderprostitution Einhalt zu gebieten. Schon ihr erster Eindruck in Bangkok war ernüchternd: In ihrem Hotelzimmer, einem der höheren Kategorie, lag ein Stadtführer aus, der besonders die jungen »Bargirls« anpries: Sie seien »keine so abgebrühten Nutten wie auf der Reeperbahn oder der 42nd Street«. Barbara Supp, die in Belgien gemeinsam mit der Brüsseler Korrespondentin Marion Schreiber recherchierte, sprach mit dem befreiten Entführungsopfer Laetitia Delhez. In der belgischen Öffentlichkeit spürte Supp »eine bedrückende Mischung aus Trauer und Rachegefühlen«, die sich in Rufen nach Wiedereinführung der erst im Juni abgeschafften Todesstrafe entluden.

Ganz andere Reaktionen erlebte Susanne Koelbl, die im Emsland den Nachfolger und Bekannte jenes Priesters befragte, der jahrelang Meßdiener und Erstkommunikanten unter den Augen seiner Pfarrgemeinde mißbraucht hatte und vorige Woche verurteilt wurde: Die ehrenwerten Bürger schotten sich ab. Koelbl, die bei einer Regional-Zeitung gelernt hat, wie man als Reporter verschlossene Zeugen ausfragt, hat »so was von verstockten Leuten noch nie erlebt«. Was ein Hamburger Kinderschänder seinem Opfer angetan hat, schilderte die Beamtin, die mit dem Kind gesprochen hatte, »sachlich und nüchtern«, so Redakteur Hans-Jörg Vehlewald - er »bekam das kalte Kotzen« (Seite 30).

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