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aus DER SPIEGEL 31/1991

Ob er in Deutschland Krebspräparate auftreiben und nach Vietnam schicken könne, wurde SPIEGEL-Reporter Cordt Schnibben im Saigoner Frauenkrankenhaus gefragt. Den Ärzten waren die Medikamente ausgegangen, an Geld fehlte es ihnen auch. Zwei Wochen später waren zwei ihrer Patientinnen an Krebs gestorben. Die Frauen stammten aus Provinzen, die während des Vietnamkrieges mit der dioxinhaltigen Chemiewaffe »Agent Orange« besprüht worden waren.

Aus drei Kontinenten hat Schnibben die Fakten für seine Reportage über das Weltgift Dioxin zusammengetragen. Er schreibt die Leidensgeschichte fort, mit der sich der SPIEGEL nach dem Unfall von Seveso immer wieder in Reporten und Serien beschäftigt hat. Jetzt zugängliche Pentagon-Papiere, Akten der Chemiefirmen Dow Chemical und Boehringer sowie Gespräche mit Opfern und Tätern konnte Schnibben auswerten, um die Geschichte des Ultragiftes, dessen Anwendung als Waffe und die Vertuschung ihrer Folgen zu rekonstruieren.

Betroffen, wenn auch am Rande, ist Richard von Weizsäcker. Als Mitglied der Boehringer-Geschäftsführung und Mitinhaber trug der heutige Bundespräsident Verantwortung in einem Unternehmen, das seine Arbeiter ungeschützt dem Dioxin aussetzte, die Aufsichtsbehörden bewußt täuschte, Mülldeponien wissentlich verseuchte und an der Entlaubung Vietnams beteiligt war.

Über Produktion und Absatz der Firma habe er »nur spärliche Kenntnisse« gehabt, ließ Richard von Weizsäcker dem SPIEGEL mitteilen. Über die katastrophalen Arbeitsbedingungen im Werk sei er »nicht in der Lage, Verwertbares zu sagen«, da ihm »über diese Dinge bis zu seinem Ausscheiden weder schriftlich noch mündlich je berichtet worden« sei. Als Personalvorstand habe er sich »auf die Personalführung und -gewinnung im oberen Firmenbereich« konzentriert.

Cordt Schnibbens zweiteilige Reportage »Das war der Tod persönlich« beginnt auf Seite 102.

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