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Hausmitteilung Hausmitteilung Titelschutz

aus DER SPIEGEL 44/1995

Dietrich Krause, 48, SPIEGEL-Justitiar, kam vergangene Woche eher unfreiwillig zu TV-Ehren. Er mußte begründen, warum er der hannoverschen Schülerzeitung Der Spargel das SPIEGEL-ähnliche Titel-Design verbieten wollte. Vom gnadenlosen Kampf des Goliaths SPIEGEL gegen den David vom Gymnasium Laatzen war da die Rede, und viel Häme wurde von Print- und TV-Kollegen über die (zugegebenermaßen auf den ersten Blick etwas kleinliche) Aktion ausgegossen. Dabei hatte Krause eher heiter, aber doch juristisch zwangsläufig auf das Outfit der 500-Exemplare-Zeitung reagiert: Er schlug den jugendlichen Redakteuren vor, zumindest auf den roten Rahmen des SPIEGEL-Imitats (Krause: »Geht es nicht auch in Grün?") zu verzichten. Ein Minimum an Verteidigung des Markenlayouts des SPIEGEL ist nämlich juristisch unabdingbar. Ansonsten würden die Gerichte quasi ein Gewohnheitsrecht auf Nachahmung konstatieren. »Der Inhaber eines solchen Kennzeichens«, sagt der Bundesgerichtshof, habe »ein berechtigtes Interesse« daran, »daß alles vermieden wird, was die Eigenart und den kennzeichnenden Charakter seiner Kennzeichnung verwässern« könnte. Die Spargel-Redakteure dürfen sich freuen: über die gelungene PR-Aktion für ihr Blatt und über die Einladung des inzwischen mit dem Fall befaßten SPIEGEL-Chefredakteurs, Spargel-Freundes und ehemaligen Schülerzeitungsredakteurs Stefan Aust (Wir, Gymnasium Athenaeum, Stade) zum Spargelessen beim SPIEGEL. Justitiar Krause darf das Menü einklagen: weißen Stangenspargel vom Kap aus Bethlehem/Südafrika, Lüneburger Schinken, Bio-Kartoffeln Cilena und braune Buttersauce. Es darf auf eine außergerichtliche Einigung gehofft werden.

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