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Hausmitteilung Wettanbieter / Missbrauchsvorwürfe / Sachsen-Anhalt / Kunstsammler

aus DER SPIEGEL 22/2021

Im Sommer 2020, weit nach Mitternacht, standen die SPIEGEL-Redakteure Nicola Naber und Rafael Buschmann in einem Park und hörten einem Menschen zu, der immer wieder sagte, er habe Angst. Vor kriminellen Rockern, Drogenbossen, Anwälten. Unter der Bedingung, anonym bleiben zu dürfen, berichtete die Person aus dem Inneren eines milliardenschweren, höchst dubiosen Unternehmens: des Wettanbieters Tipico.

Vier Männer aus Karlsruhe haben die Firma gegründet und aufgebaut; sie gingen an die Grenzen des rechtlich Erlaubten und darüber hinaus. Das SPIEGEL-Investigativteam verfolgte die Hinweise der Quelle, sprach mit Ex-Tipico-Mitarbeitern, Weggefährten der Gründer, Ermittlern, Anwälten und erhielt Einsicht in einen Datensatz mit Tausenden vertraulichen Dokumenten. »Tipico hat beim Aufbau seines Filialnetzes jahrelang mit Kriminellen zusammengearbeitet. Die Öffentlichkeit sollte davon nichts erfahren«, sagt Sven Becker, der die Recherche zu einem Report zusammengefasst hat .

In einer Koblenzer Kita soll ein Erzieher ein Kind vergewaltigt haben. Die Polizei stellt die Ermittlungen ein, weil sie keine hinreichenden Belege für eine Straftat findet. Als die Eltern die Vorwürfe auf YouTube und Facebook wiederholen, bricht ein Shitstorm los. Die Kita muss aus Sicherheitsgründen zeitweise schließen, der angebliche Täter abtauchen, der Staatsschutz ermittelt. Nachdem sie von der mutmaßlichen Tat erfahren haben, beschuldigen drei weitere Mütter den Mann, auch ihre Töchter missbraucht zu haben. SPIEGEL-Redakteur Maik Großekathöfer traf ihn mehrfach zu Gesprächen , redete mit seinem Vorgesetzten, las Ermittlungsakten, befragte die Generalstaatsanwaltschaft. »Der Erzieher ist verzweifelt. Er beteuert seine Unschuld, kämpft um seinen Ruf. Tatsächlich gibt es Zweifel, ob er sich etwas zuschulden kommen ließ«, sagt Großekathöfer. Der Fall zeige, welche destruktive Dynamik soziale Medien haben können.

Am 6. Juni wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Es ist die letzte Landtagswahl vor der Bundestagswahl, CDU und AfD liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Redakteur Christopher Piltz hat den Christdemokraten Detlef Gürth begleitet . Er ist der dienstälteste Abgeordnete; seit der Wiedervereinigung sitzt er im Landtag. Piltz erlebte einen Politiker, der fürchtet, dass sein Wahlkreis an die AfD fallen könnte. Gürth vermisst ein klares Profil seiner Partei. Er berichtete Piltz, wie lange er überlegt habe, welchen Slogan er auf seine Plakate drucken solle. Am Ende verzichtete er auf einen Spruch. »Man merkt, dass viele CDU-Politiker nach 16 Jahren Merkel-Pragmatismus nicht mehr wissen, wofür ihre Partei steht«, sagt Piltz.

Die erste Gesprächsanfrage an den französischen Unternehmer und Kunstsammler François Pinault, 84, stellte Pariskorrespondentin Britta Sandberg vor anderthalb Jahren. Es folgte eine Absage: Pinault gebe ungern Interviews. Monate später wurde das Nein zum Vielleicht. Mitte Mai nun, zehn Tage vor Eröffnung seines Museums in Paris, traf sie ihn . Sandberg sprach mit dem Bauernsohn über seinen Aufstieg zum Chef eines Luxusgüterkonzerns und darüber, warum er seit fast 40 Jahren Werke schwarzer Künstler sammelt. »Die Antworten waren überraschend unkonventionell für jemanden, dessen Vermögen auf 46 Milliarden Euro geschätzt wird«, so Sandberg.

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