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Hausmitteilung Hausmitteilung Wolga-Deutsche

aus DER SPIEGEL 37/1989

Zweimal hatte Jörg R. Mettke vergebens beantragt, das Gebiet der einstigen Autonomen Sowjetrepublik der Wolga-Deutschen besuchen zu dürfen. Das Gebiet sei für Ausländer gesperrt, lautete der Bescheid. Im dritten Anlauf kam der Moskauer SPIEGEL-Korrespondent doch zum Zuge. In der Region um die Städte Saratow, Engels und Marx, 800 Kilometer südlich von Moskau, erkundete er die Lage der wenigen wieder dort lebenden Rußland-Deutschen und die Aussichten für eine Rücksiedlung der von Stalin 1941 ostwärts vertriebenen Deutschstämmigen, ihre Chancen auf Rückgewinnung der Autonomie in der alten Wolga-Heimat.

Nicht nur Widerstand örtlicher Partei-Bürokraten trübt diese Aussichten, erschwert die kulturelle Selbstbehauptung. »Gestern haben wir alte Volkslieder gesungen«, erzählte Philologie-Professor Ilja Gorelow vom Vorstand des Saratower Deutschen Clubs dem SPIEGEL-Korrespondenten, »aber es fehlt uns an Geld, an Lehr- und Lernmitteln für die deutsche Sprache, an Tonbandgeräten und Sprachkurs-Kassetten.« Mettke: »Gorelow weiß, daß es all das in der Bundesrepublik reichlich gibt. Aber bislang hat ihm, dem russischen Juden, der in Saratow das reinste Deutsch spricht, noch niemand Hilfe angeboten« (Seite 182).

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