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KARABINER 98 K Heim ins Reich

aus DER SPIEGEL 16/1952

Wenn es nach dem ausländischen Waffenangebot geht, das vorige Woche von einem Hamburger Makler an das Bonner Amt des Sicherheitsbeauftragen Blank weitergeleitet wurde, dann wird auch der künftige westdeutsche Soldat mit dem Gewehr ausgerüstet sein, von dem der großdeutsche Landser im Schlaf aufsagen konnte, in wieviel Bestandteile es »zerfällt": mit dem Karabiner 98 K.

Die Offerte kam nach mehreren vertraulichen Gesprächen in Hamburger Büros zustande. Sie liest sich rein kaufmännisch:

* »... und biete Ihnen zunächst freibleibend an 100 000 Stück Mauser-Gewehre, Type K 98, Kaliber 7,9 in bestem Zustand. Die Gewehre sind mit Riemen versehen, jedoch ohne Bajonett. Der Preis pro Gewehr beträgt 36 Dollar fob eines bekannten westeuropäischen Hafens.«

Die Lieferung ist nach dem Angebot sofort möglich. Aber der ausländische Mittelsmann war vorsichtig. Als grundlegende Voraussetzung verlangt er ein verbindliches Kaufgebot und die Vorlage eines bankbestätigten Festauftrages, so daß ihm in jedem Fall das Geld gesichert wäre. Seine Provision ist handelsüblich: zwei Prozent, das sind runde 300 000 DM.

Der Verkäufer will auf jeden Fall im Hintergrund bleiben. In der Offerte wird deshalb verlangt, das Akkreditiv - also die Zahlungszusage der eingeschalteten Bank - müsse unwiderruflich und zweimal kostenlos übertragbar gestellt werden. Unter Fachleuten ist das eine in der Nachkriegszeit immer dann üblich gewordene Vereinbarung, wenn der Lieferant unerkannt bleiben möchte.

Wer will hinter dem Karabiner-Angebot unbekannt bleiben? Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit einer der westlichen Siegerstaaten. Denn hier werden mit ebenso großer Sicherheit deutsche Gewehre des Baujahres 1941/42 angeboten, die mit unter denen waren, die Deutschlands besiegte Wehrmacht in den Maitagen 1945 auf den großen Beutehaufen werfen mußte. Keine sieben Jahre später sollen sie jetzt wieder heim ins Reich, gegen Barzahlung von Dollar.

Die Beute-Herkunft wird noch bestätigt dadurch, daß in der Offerte versichert wird, Bajonette und Munition für »obige Waffen« könnten in jeder beliebigen Menge geliefert werden. Und abschließend heißt es: »Weiter kann ich Ihnen mit diversen Angeboten in Waffen, wie z. B. Maschinenpistolen, Kleinkaliber-Geschützen usw. dienen. Im Bedarfsfalle bitte ich um Spezialanfrage.«

Seit aber die ersten Aufrüstungs-Händler der Bundesrepublik vor drei Wochen mit den Khaki-Uniformhemden des inzwischen nach Dänemark geflohenen Millionenschwindlers Lanby (s. SPIEGEL Nr. 14/52) einen kostspieligen Reinfall erlebten, wird jedes neue Angebot vom internationalen Rüstungsmarkt mißtrauisch wie ein sprengstoffverdächtiges Paket behandelt.

Das Hamburger Maklerhaus, dem das Hunderttausend-Karabiner-Angebot zuging, schickte die Offerte auch deshalb postwendend nach Bonn weiter, um festzustellen, ob derartige Geschäfte von

Deutschen schon wieder gemacht werden dürfen und ob bei der Beschaffungsstelle Blank an dem Posten Karabiner Interesse besteht.

Der Hamburger Makler, der sich noch immer die Möglichkeit offen halten will, es handele sich womöglich um ein Transitgeschäft für irgendeinen Negerstamm in Afrika, meint: »Ich habe gleich gesagt, nun guck doch mal einer an. Vor kurzem konnte man noch kaum eine Pistole auftreiben und jetzt sollen da irgendwo 100 000 Gewehre sein. Wir wollen jetzt vor allem die rechtliche Seite klären lassen. Erst wenn Bonn sagt, jawohl, es geht und wir haben Interesse, dann werden wir die weiteren Unterlagen prüfen.«

Die Entscheidung des Sicherheitsbeauftragten Theodor Blank steht noch aus.

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