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TV-CHRONIK »Heimat«-Kult

aus DER SPIEGEL 47/2004

Der dritte Teil der Hunsrück-Saga von Edgar Reitz hat schon jetzt, gut einen Monat vor der Ausstrahlung im Ersten, einen Kult in der Gegend ausgelöst. Reitz-Fans pilgern zum Friedhof von Sargenroth, um die Grabstelle der Simons zu besuchen, der Stammeltern der Serie, die allerdings nur im TV gelebt haben. Ähnlich kurios ist die Geschichte des »Günderode«-Hauses. Ein aufwendiger und erlesener Bildband dokumentiert jetzt, wie ein historisches Gebäude zum Filmstar wurde. Der Designer Radulf Jetter, 49, und ein Team von Kreativen zeigen, wie vor Jahren ein charakteristisches Hunsrück-Haus beinahe verschwunden wäre, hätte man nicht in letzter Minute die Fachwerkbalken und Mauersteine gerettet und eingelagert. Der dritte Teil der Reitz-Chronik erweckte die Überbleibsel zum Leben - an anderem Ort, hoch überm Rhein. Es war eine Wiederauferstehung in zwei Akten: erst als Ruine, dann als restaurierter Bau. Reitz konnte mit diesem Haus als Mittelpunkt, das den Namen der Dichterin und Kleist-Zeitgenossin Karoline von Günderode trägt, deutsche Geschichte nach dem Mauerfall erzählen. Enthusiasten wollen das Gebäude nun zu einem Reitz-Museum ausbauen. Doch die Fördergelder reichen zurzeit nur für ein Haus mit Restauration. Heimat ist Bewegung.

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