Zur Ausgabe
Artikel 98 / 102
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Briefe

Heiße Sachen
aus DER SPIEGEL 47/1971

Heiße Sachen

(Nr. 44 und 45/1971, Otto Köhler) Mit Ihrem Artikel »Friedenskanzler erschlägt Kritiker« wird der Eindruck erweckt, als sei a) die Meldung über die Verleihung des Friedensnobelpreises an Bundeskanzler Brandt für den SDR eine Schreckensnachricht gewesen und als habe b) der SDR die Berichterstattung manipuliert.

Beides ist unzutreffend. In den Nachrichten des SDR ist ausführlich -- und zwar einschließlich der Reaktionen -- um 17, 18, 19, 22 und 24 Uhr sowie in den Parallelsendungen von Südfunk 2 und Südfunk 3 berichtet worden. Ferner hat der Süddeutsche Rundfunk mehrere Kommentare sowie ein Interview mit Staatssekretär Ahlers gesendet. Bei dieser umfangreichen Berichterstattung konnte der SDR zu Recht davon ausgehen, daß alle Hörer unterrichtet waren. Zwischen der letzten Meldung um 24 Uhr und der 1 Uhr-Sendung lagen keine neuen Informationen vor. In den Nachrichten um 2, 3 und 4 Uhr wurde über die jeweils neuen Gratulations-Schreiben berichtet.

Die Nachrichtengebung des SDR steht in keinem Zusammenhang mit der Zugehörigkeit des Intendanten Dr. Hans Bausch zur CDU.

Stuttgart v. OSWALD HIRSCHFELD Stellvertretender Chefredakteur des Süddeutschen Rundfunks

Otto Köhler hat Pech gehabt. Hans Bausch, Intendant des Süddeutschen Rundfunks, der bekanntlich seiner Partei, der CDU, wie jeder informierte Journalist weiß, in den 13 Jahren seiner Tätigkeit mehr Sorgen als Freude gemacht hat, hat weder »den Hauptsendetermin« der politisch-satirischen Sendung »Heiße Sachen« gestrichen noch auf den Redaktionswechsel bei dieser Sendung Einfluß ausgeübt.

Er hat vielmehr eine Entscheidung zur Kenntnis genommen, die sein Programmdirektor (parteilos) getroffen hat, obwohl er wußte, daß es sich dabei um eine heiße Sache handeln würde, weil in den Augen einiger Journalisten bekanntlich das Mitbestimmungsrecht von Programmdirektoren -- wenn überhaupt konzediert -- dort endet, wo einer Sendung das Attribut »unbequem« zuerkannt wird, mag sie im übrigen auch jeden anderen Mangel zeigen.

Dafür, daß die »Heißen Sachen« in den letzten Monaten »größtenteils aus Streichungen bestanden«, dürfte dem Verfasser der Beweis gleichfalls schwerfallen. Ebenso vergeblich bemüht er den Intendanten, wenn er ihm persönlich »Duldsamkeit« gegenüber einer Athen-freundlichen Bemerkung eines freien Journalisten unterstellt. Otto Köhler sollte im SPIEGEL einmal das ihm offensichtlich vorschwebende Porträt des Rundfunkintendanten näher ausführen, der alle Sendungen seiner Anstalt selbst schreibt, liest, hört -- oder verbietet.

Stuttgart DR. KEHM

Süddeutscher Rundfunk

SPIEGEL-Leser Kehm irrt: Otto Köhler schrieb »großenteils« und belegte dies an drei Beispielen. -- Red.

Zur Ausgabe
Artikel 98 / 102
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.