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AFGHANISTAN I Heißes Unternehmen

aus DER SPIEGEL 5/2002

In Planspielen bereitet sich die Bundeswehr darauf vor, beim Friedenseinsatz in Afghanistan die führende Rolle zu übernehmen. Großbritannien, das die Aufgabe derzeit erfüllt, will seine Truppen im April abziehen. Auch Frankreich plant den Rückzug. Die Bundeswehr will Mitte Februar ihr Kommando von bisher rund 300 auf knapp 1000 Soldaten aufstocken.

Für die Führung der Friedenstruppe stellen die Militärs intern mehrere Bedingungen: Die Mission dürfe höchstens sechs Monate dauern, und die Nachfolge müsse vorab geklärt sein. Nötig sei eine Verpflichtung der USA, der Friedenstruppe bei der Versorgung etwa mit Treibstoff oder Munition zu helfen - und ihr notfalls mit Waffengewalt beizustehen. Außerdem verlangen die Bundeswehrplaner, dass Deutschland die Leitung des »Fox«-Einsatzes in Mazedonien Ende März an Italien abgeben sowie Teile der Friedenstruppe aus Bosnien-Herzegowina abziehen darf. Nur so könnten die technischen Mittel und ausreichend Personal - die Rede ist von bis zu 5000 Soldaten - für Kabul und andere Gebiete in Afghanistan aufgebracht werden.

Aus Sorge um neue Kämpfe rivalisierender Stammesfürsten haben Spitzenmilitärs im Verteidigungsministerium davor gewarnt, sich auf das »heiße Unternehmen« der »lead nation« (Führungsnation) einzulassen. Auch Minister Rudolf Scharping war bisher dagegen, weil Geld zum Kauf der nötigen Ausrüstung, etwa Anlagen zur Satellitenkommunikation, fehle. Bereits Ende dieser Woche soll Kanzler Gerhard Schröder in Washington US-Präsident George W. Bush erklären, ob Deutschland bereit ist, die Leitung in Kabul zu übernehmen, wie die Amerikaner es wünschen.

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