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»Heller Türke«, »Schwarzer Afghan«

aus DER SPIEGEL 46/1969

Seit fünftausend Jahren hilft Hanf der Menschheit: Aus den Fasern der männlichen Pflanze werden Stricke gedreht.

Blüten und Blattspitzen der weiblichen Pflanze dienen als Rauschmittel.

Der rauscherzeugende Wirkstoff (Tetrahydrocannabinol) wird freilich nur aus der indischen Hanfsorte ("Cannabis sativa variationis indica") gewonnen, die in subtropischem Klima am besten gedeiht, so in Mexiko und in Nordafrika, in der Türkei und im Libanon, in Afghanistan, Pakistan, Indien, Nepal und Vietnam.

»Marihuana« ist das getrocknete Kraut der Blätter und Blüten; es wird in Mexiko und den USA wie Krüll oder Machorka in Pfeifen oder selbstgefertigten Zigaretten geraucht und heißt unter Rauchern »Mary Jane«, oder »Tea«.

»Haschisch« ist das Harz aus den Drüsenköpfchen der oberen Laubblätter; es wird in kleinen Spezialpfeifen, in Zigaretten oder in Nahrungsmitteln und Getränken genossen und heißt unter Kennern »Shit«, »Stoff«, »Hasch« oder einfach nur »Was« ("Hast du was?"). Die Wirkung von Haschisch ist, gemessen an der Menge, um ein Sechs- bis Achtfaches konzentrierter als die von Marihuana.

Die Gewinnung von Haschisch ist mühsamer als die Kraut-Ernte von Marihuana: Die getrockneten Blütenstände werden auf einem Teppich zerrieben; in seinen Maschen fängt sich das Harz, das dann aus dem Teppich herausgeklopft und zu Platten gepreßt wird. Eine Platte wiegt rund 250 Gramm.

Haschisch-Raucher unterscheiden -- wie Weintrinker -- die Provenienzen nach Anbaugebieten. »Heller Türke« und »Roter Libanese« gelten als milde Sorten -- »Schwarzer Afghan« und »Dunkelbrauner Pakistani« bescheren einen rascheren und kräftigeren Rausch.

Weisheit eines Haschisch-Händlers: »Je weiter du nach Osten gehst, desto besser und schwerer wird der Stoff.«

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