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PERSONALIEN Helmut Schmidt, Henry Kissinger, Georg Leber, Walter Scheel, Mildred Scheel, Fritz Pirkl, Margaret Trudeau, Ingrid Matthäus, Gloria Carter Spann

aus DER SPIEGEL 52/1977

Helmut Schmidt, 58, Bundeskanzler, frischte bei einem offiziellen Essen aus Anlaß des Besuchs des portugiesischen Staatspräsidenten Eanes am Dienstag vergangener Woche seine herzlichen Beziehungen zum CSU-Chef Franz Josef Strauß auf. »Ha, alter Gauner«, so des Kanzlers Gruß. »Jo, alter Lump«, grüßte Strauß zurück und klärte Schmidt gleich auf, »wissen Sie übrigens, daß sich Adenauer diebisch gefreut hat, wenn ihn einer alter Gauner genannt hat.«

Henry Kissinger, 54, früherer US-Außenminister, rühmte in New York die Großzügigkeit seines Ex-Chefs Gerald Ford. Anders als dessen Nachfolger Präsident Carter, den seine Mitarbeiter persönlich um Erlaubnis bitten müssen, wenn sie den Tennisplatz oder das Schwimmbad des Weißen Hauses benutzen wollen, habe sich Ford um solche Kleinigkeiten nicht gekümmert. Kissinger: »Ich durfte jederzeit im Pool des Weißen Hauses schwimmen. Ford hat sich nur aufgeregt, wenn ich über den Wassern wandeln wollte.«

Georg Leber, 57, Bonner Verteidigungsminister, muß sich um positive PR-Arbeit in eigener Sache bemühen. Beweis: Leber, von 1966 bis 1972 Chef des Verkehrsministeriums, fuhr kürzlich gemeinsam mit seinen beiden Enkeln per Bundesbahn von Köln nach Bonn. Bei der Fahrkartenkontrolle lobte der Zugschaffner, daß sich der »oberste Dienstherr der Eisenbahner« auch einmal vor Ort über die Lage der Bahn informierte. Dann verabschiedete sich der Bundesbahner: »Auf Wiedersehen, Herr Seebohm.« Walter Scheel, 58 (Photo), Bundespräsident und Liebhaber schneller Fahrzeuge, half Ehefrau Mildred, 44, beim Aufstocken des Fonds der Deutschen Krebshilfe. Scheel signierte den Tank einer nagelneuen BMW R 100 RS, die von den Münchner Motorradbauern als Präsent für die Krebshilfe nach Bonn geschickt worden war. Das Gefährt (Wert ohne Scheel-Autogramm: rund 12 000 Mark) soll demnächst vor motorsportbegeistertem Publikum an den Meistbietenden versteigert werden.

Fritz Pirkl, 52, bayrischer Staatsminister für Arbeit und Sozialordnung, wird zwischen den Feiertagen neben Neujahrs-Glückwünschen auch stapelweise Satirisches in seiner Post finden. Grund: Pirkls Ministerium hat beantragt, Heft Nr. 102 des Blödel-Blattes »Deutsches Mad« in die Liste der jugendgefährdenden Schriften aufzunehmen. Die bayrischen Beamten hatten darin einen Satire-Comic entdeckt, in dem Rocker eine alte Dame überfallen. Im Ministerium wurden die gezeichneten Szenen als »ausdrückliche Aufforderung zu brutaler Gewalttätigkeit gegenüber alten Frauen« verstanden. Die »Mad«-Mannen reagierten produktge-Margaret Trudeau, 29, Photographin und getrennt lebende Ehefrau des kanadischen Premierministers Pierre Trudeau, kleidete sich in Montreal ein -- für ihren ersten Filmpart (in »Könige und Desperados« spielt sie die Frau eines reichen Radiostation-Besitzers) schlüpfte sie in edlen Pelz (Photo). In ihrer ungeliebten Rolle der kanadischen First Lady hatte die eigenwillige Madame Trudeau allerdings weniger Wert auf standesgemäße Kleidung gelegt. So machte sie Schlagzeilen, als sie mit dem amerikanischen Präsidenten und seiner Frau in Washington zum Diner in einem kurzen statt bodenlangen Kleid und mit einer Laufmasche im Strumpf erschien.

recht: Sie stellten sämtliche bisher erschienenen »Mad«-Ausgaben zusammen und werden das Paket Minister Pirkl »zur gefälligen Durchsicht auf gefährliche Beiträge« ins Nürnberger Heim schicken. »Mad«-Chefredakteur Herbert Feuerstein: »Auf jeden Fall kann der Minister nach der Lektüre seinen Beamten einiges über Satire erzählen.«

Ingrid Matthäus, 32, streitbare FDP-Parlamentarierin, machte in der Fraktionssitzung am vergangenen Donnerstag unter dem Tagesordnungspunkt »Verschiedenes« eine Ankündigung, die den »Neid und konkurrenzlosen Beifall« (FDP-MdB Hoppe) ihrer männlichen Kollegen fand. Die einstige Jungdemokratenchefin offenbarte, »da es aufgrund meiner körperlichen Situation nicht weiterhin ein Geheimnis bleiben kann«, daß sie im Mai ein Baby erwartet. Um ihre Abgeordneten- und Mutterpflichten besser miteinander in Einklang bringen zu können, will die Münsteraner Juristin in absehbarer Zeit nach Bonn umsiedeln.

Gloria Carter Spann, 51, älteste Schwester des US-Präsidenten, bekundete öffentlich Arger über die Agrarpolitik ihres Bruders. Als US-Bauern in der vergangenen Woche mit Hunderten von Traktoren gegen Washington und in die Hauptstädte von 32 Staaten zogen, um gegen steigende Kosten und sinkendes Einkommen zu demonstrieren, war die streitbare Gloria Spann als prominenteste Protestlerin dabei. Mit ihrem Demonstrationszug auf die Hauptstädte wollten Gloria und die Land-Leute den Präsidenten zwingen, die Agrar-Subventionen zu erhöhen.

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