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PERSONALIEN Helmut Schmidt, Jimmy Carter, Otto Graf Lambsdorff, John Osborne, Elisabeth Munker

aus DER SPIEGEL 32/1978

Helmut Schmidt, 59, Bundeskanzler und Freizeitsegler, erhielt im Urlaub am Brahmsee ein Geschenk des kanadischen Ministerpräsidenten: Trudeau, der im Juli mit dem Kanzler auf einem alten Schoner zu Gesprächen mit Regierungschef Anker Törgensen nach Dänemark gesegelt war, schickte Schmidt eine Segeljolle vom Typ »Laser«. Der Kanzler, der bislang in seiner stabilen »Conger«-Jolle einen eher gemächlichen Segelstil bevorzugte, wird im Laser mehr sportlichen Einsatz zeigen müssen. Das Schiff ist sehr viel kentergefährdeter als der Conger. Auch auf die Begleitung seines Brahmsee-Nachbarn und Parteifreundes, des SPD-Wehrbeauftragten Willi Berkban, der Schmidt im Conger häufig als Vorschotmann Dienste leistete, müßte der Kanzler im Laser verzichten: Das ranke Boot hat nur Platz für einen.

Jimmy Carter, 53, US-Präsident, der sich bemüht, die Präsenz kommunistischer Staaten in Afrika zu unterlaufen, ließ vom Washingtoner Außenministerium prowestlich eingestellte afrikanische Armeechefs einfliegen. Anhand eines Computers sollten US-Militärfachleute ihren afrikanischen Besuchern beweisen, wie effizient eine Luftbrücke aus den Vereinigten Staaten nach Afrika funktionieren würde. Das Experiment mißlang. Nachdem der Computer stundenlang Karten produzierte, die zeigten, wie schnell US-Soldaten im Falle eines sowjetischen Angriffs nach Frankfurt geflogen werden können, mußten die US-Militärs ihren verdutzten afrikanischen Kollegen erklären, daß das hochentwickelte Gerät zwar für Luftbrücken-Einsätze nach Westdeutschland und Südkorea programmiert sei, nicht aber für Afrika. Otto Graf Lambsdorff, 51, der sein Amt als Wirtschaftsminister im Bonner Kabinett nun schon seit zehn Monaten innehat, wird von seinen Kollegen noch immer mit den verschiedensten Formen der Anrede bedacht. Bundeskanzler Helmut Schmidt sagt korrekt »Graf Lambsdorff«, Finanzminister Hans Matthöfer bevorzugt »Herr Graf Lambsdorff«, weil für ihn der Adelstitel Bestandteil des bürgerlichen Namens ist. Matthöfer: »Darauf lege ich als Republikaner Wert.« Arbeitsminister Herbert Ehrenberg spricht seinen Kollegen von der Wirtschaft nur mit »Herr Lambsdorff« an, Vizekanzler Hans-Dietrich Genscher schließlich will mit einem schlichten »Lambsdorff« sein enges Verhältnis zum Partei-Rivalen betonen.

John Osborne, 48, englischer Dramatiker ("Blick zurück im Zorn"), mag auf die Allüren nicht verzichten, die ihm einst als Wortführer der »angry young men« in den fünfziger Jahren zw Popularität verhalfen. Vom »Evening Standard« zur sommerlichen Touristen-Invasion in der Hauptstadt befragt, pöbelte Osborne elitär: »Touristen, ob Amerikaner, Deutsche (sie vor allem), Japaner (sie vielleicht am meisten) oder gar die nach uns Briten genialste Nation, die Italiener, sind nichts als Müll in Menschengestalt.«

Elisabeth Munker, 57 (Photo, u. r.), Bonner Hausfrau und Freizeit-Malerin, findet die Sujets für ihre Bilder vor der Haustür: Sie pinselt Bonner Prominenz in naiver Manier -- bunt und beschaulich. Zu ihren Öl-Bildchen (l. o.: Hannelore und Helmut Schmidt am Palais Schaumburg, l. u.: Bundespräsident Walter Scheel mit seiner Familie im Park der Villa Hammerschmidt, r. o.: Ernährungsminister Ertl als Freizeitmaler) ließ sich Elisabeth Munker durch den Beruf ihres Mannes anregen -- Georg Munker hält seit mehr als 30 Jahren ebenfalls Bonner Größen im Bild fest -- als Photograph. Frau Elisabeth: »Die meisten Politiker sind gar nicht so ernst, wie sie mein Mann immer ins Bild setzt. drum male ich meine fröhlicher.«

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