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PERSONALIEN Helmut Schmidt, Vincenzo Salmen, Helmut Kohl, Hans Apel, Josef Ertl, Jayne Marie Mansfield

aus DER SPIEGEL 29/1976

Helmut Schmidt, 57, Bundeskanzler, erhielt letzte Woche Kenntnis von einem weiteren Mitbewerber um das Kanzleramt. Herbert Feuerstein, Chefredakteur der satirischen Zeitschrift »Mad«, unterrichtete den Kanzler schriftlich von der »Kandidatur Alfred E. Neumanns für die Wahl zum deutschen Bundestag am 3. Oktober«. Alfred E. Neumann ist die Hauptfigur des »Mad«, ein kesser Comic-Knabe mit Sommersprossen und Zahnlücken (Abb.).

Der Bewerbung Alfreds um den Posten des Regierungschefs war eine Episode beim Empfang von 90 Angehörigen der US-Streitkräfte durch Kanzler Schmidt in Bonn vorausgegangen. Im Gespräch mit dem Gastgeber hatten sich die Soldaten erkundigt, wer denn wohl -- seiner Meinung nach -- die US-Präsidentschaftswahlen gewinnen würde. Schmidt äußerte sich ausweichend: »Ich habe da durchaus meine Meinung.« Als dann der Bundeskanzler seinerseits von den Gästen erfahren wollte, wen sie als zukünftigen Kanzler favorisierten, blockten die ebenso ab -- »Alfred E. Neumann« wurde genannt. »Mad«-Chefredakteur Feuerstein beugte sich dem »Druck der öffentlichen Meinung« und meldete Schmidt die Amtsansprüche seines Comic-Helden.

Vincenzo Salmen, 56, Amtsrichter in Palermo und erbitterter Gegner der Straßenprostitution, wird künftig häufig Gelegenheit haben, sich über die »schändlichen Szenen am Straßenrand« zu beschweren. Salmen hatte sich über die Berufskleidung einiger Liebesdienerinnen empört ("Die Dirnen tragen ja Slips« die einen Großteil des Gesäßes unbedeckt lassen, und sie machen sogar Feuerchen, um Männer anzulocken"). Salmen vermochte die Sittenpolizei zwar nicht zu Verhaftungen, aber immerhin zu Anzeigen gegen sechs der Mädchen wegen »obszöner Handlungen in der Öffentlichkeit« zu drängen. Jetzt kündigten etliche Prostituierte aus Protest einen Revierwechsel an: Sie wollen künftig vor der Wohnung des Richters auf den Strich gehen. Helmut Kohl, 46, CDU-Kanzlerkandidat, konnte sich bei seinem Besuch in London in der vergangenen Woche bei den Briten nicht recht profilieren. Der Mainzer, der englischen Sprache nur bedingt mächtig und darum eigens mit Dolmetscherin angereist, hatte schon mit seiner Grußadresse ("Ich bin mal rausgekommen, um über den Kirchturm hinauszusehen") bei einem Essen in der deutschen Botschaft nicht viel Erfolg. Seine philosophischen Gedanken über den »Sinn des Lebens« und »Politiker, die mal etwas tun müßten«, blieben den Gästen unverständlich (Gewerkschaftsführer Hugh Scanlon: »Wovon spricht der eigentlich?"). Am unerquicklichsten aber gestaltete sich für den Christdemokraten ein verabredetes Frühstück mit dem Chef der Bergarbeitergewerkschaft, Joseph Gormley. Kohl -- und mit ihm ein ARD-Team -- wartete eine dreiviertel Stunde lang auf den Gewerkschaftsboß« umsonst. Gormley hatte am Abend zuvor ein »Flugzeug verpaßt« und keine Zeit gefunden, abzusagen.

Hans Apel, 44, Bonner Finanzminister, der daran gewöhnt ist, sich in seiner Bonner Wohnung allein zu verpflegen, mußte vorletzten Sonntag auch im Hamburger Heim auf weibliche Fürsorge verzichten. Frau Ingrid besucht mit Tochter Hannelore Freunde in den USA und Tochter Ingrid feilt in Paris an ihren französischen Sprachkenntnissen. Dennoch blieben Apels in Bonner Hitzeschlachten zerknitterte Hosen nicht ungebügelt: Er löste, in T-Shirt und Turnhose« das knifflige Haushalts-Problem selbst, mit links (Photo). Josef Ertl, 51, Bundesernährungsminister, wurde auf dem Krankenbett wohltuende Anerkennung zuteil. Der schwergewichtige Bayer hatte sich bei einem Prominenten-Fußballspiel als Vorstopper (Ertl: »Das spielen wir Liberale ja immer") so hart eingesetzt. daß die Achillessehne seines linken Beines in Mitleidenschaft gezogen wurde. Als der Minister jetzt zur Operation in die Orthopädische Universitätsklinik in München-Harlaching eingeliefert wurde, bat ihn ein Klinik-Pförtner um ein Autogramm. Der sportbegeisterte Tor-Wächter, der in seiner Dienstzeit schon eine lange Liste mit den Unterschriften verletzter und in Harlaching wiederhergestellter Fußballstars zusammengebracht hat, ließ den Minister sich in die Invalidenliste der Cracks eintragen. Ertl: »Da hab' ich mich ehrlich gefreut.«

Jayne Marie Mansfield, 25, älteste Tochter der 1967 bei einem Autounfall getöteten Hollywood-Diva Jayne Mansfield, zog vor Jahresfrist in die Klatschspalten der Presse ein, als sie verkündete: »Ich will zum Film.« Jetzt zog sich Jung-Jayne für den »Playboy« aus (Photo). Obwohl der Tochter eine gewisse äußere Ähnlichkeit mit der Mutter nicht abzustreiten ist, will Jayne Marie dennoch mit anderen Mitteln zu Leinwand-Erfolgen kommen: »Ich will kein Sex-Star werden, ich will nur ernste Rollen spielen.« Ihr Film-Debüt hat die Nachwuchs-Aktrice bereits hinter sich. Im Streifen »Das große Ballon-Rennen« gondelt sie über das berüchtigte Bermuda-Dreieck -- angezogen.

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